Posts Tagged ‘Souveränität’

h1

Die fitten Alten

6. Oktober 2015

Quelle: Focus, 4.10.15

Nach dem Winterkorn-Rücktritt hat VW mit Matthias Müller einen neuen Chef. Der steht schon im siebten Lebensjahrzehnt. Wie groß ist die Belastbarkeit im Alter? Sind Vorstände ab 65 Jahre zu alt, um eine herausragende Position auszufüllen? Ein Mediziner, Dr. Heino Lisker, nennt Antworten.

Sind Führungskräfte im fortgeschrittenen Alter noch in der Lage, ihren beruflichen Anforderungen gerecht zu werden? Aus Sicht der Inneren Medizin fällt die Antwort leicht: Die meisten Top-Manager pflegen inzwischen einen Lebensstil, der die körperliche Alterung weit nach hinten schiebt: Sport, wenig Alkohol, kein Rauchen, bewusstes Essen mit dem Verzicht auf zu viel Fleisch und ausreichend Schlaf sind die Komponenten, die eine große Mehrzahl der Führungskräfte beherzigt.

Manager sind im Durchschnitt gesünder als „Normalbürger“ – Dies hat auch eine breit angelegte Studie der Max-Grundig Klinik mit der Personalberatung Heidrick & Struggles belegt. Die deutschen Managerinnen und Manager sind ausgesprochen gesund, gesünder beispielsweise als der Durchschnitt der Bevölkerung. Wer keinen Altersknick etwa durch eine Herz-Kreislauferkrankung, Diabetes oder Krebs durchleben muss, ist körperlich im Alter zwischen 60 und 70 Jahren noch in der Lage, einen herausfordernden Job zu bewältigen.

Für dieses Phänomen ist der Slogan „70 ist das neue 60“ durchaus passend. Die Leistungsfähigkeit eines gut trainierten 70jährigen kann einem untrainierten 30jährigen entsprechen.

Doch wie sieht die mentale Seite aus? Sind Führungskräfte über 60 Jahre geistig noch frisch genug, Innovationen zu begreifen und durchzusetzen und auch dem grundsätzlichen Druck in Chefetagen stand zu halten? – (…) Bei sehr vielen älteren Managern ist der starke Wille zu spüren, auch im Alter jenseits der 65 noch „an Bord“ zu bleiben. Das war nicht immer so. Vor zwanzig Jahren galten Führungskräfte ab 60 als Auslaufmodelle. Der Trend geht inzwischen eindeutig dahin, dass auch seitens der Unternehmen älteren Führungskräften zugetraut wird, schwierige Jobs zu bewältigen.

Gelassenheit und Übersicht kommen mit der Erfahrung –  (…) dass viele ältere Führungskräfte sehr gut in der Lage sind, gerade mit Stress umzugehen. Ob und wie man Druck empfindet, ist ja bekanntlich eine sehr individuelle Sache.

Bei vielen Leuten aus der Wirtschaft kommen mit der Erfahrung die Komponenten Gelassenheit und Übersicht hinzu. Persönliche Rückschläge werden im Alter mit mehr Souveränität gemeistert. In einer Geschäftswelt, deren Märkte zunehmend durch Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität gekennzeichnet sind, können gerade erfahrene Männer und Frauen dem Unternehmen helfen, Kurs zu halten.

Studie belegt: Seniorität ein wesentlicher Erfolgsfaktor – Gut zu dem Thema, wie alt Führungskräfte sein dürfen, um noch ausreichend leistungsfähig zu sein, passen die Erkenntnisse des britischen Management-Vordenkers Andrew Kakabadse. Er untersuchte weltweit die Zusammensetzung von Boards und stellte fest, dass gerade in Aufsichtsfunktionen Seniorität ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist. Wir sollten uns also von der Vorstellung verabschieden, dass im aktiven Management eine obere Altersgrenze Sinn macht.

Noch mehr gilt das für Aufsichts- und Beiräte. Gerade in diesen Gremien, deren Mitglieder befreit sind von operativen Aufgaben, können ältere Kontrolleure enorm wertvoll sein. Viele Unternehmer wie Dirk Rossmann, Günther Fielmann oder Michael Otto, die niemand wegen ihres Alters „nach Hause schicken“ kann, beweisen bis weit über 70 ihre Fähigkeit, erfolgreich an der Spitze stehen zu können. Alters-Schablonen helfen also nicht bei der Beurteilung von Führungskräften.

(…)

in weiten Bereichen der Wirtschaft sollten wir uns daran gewöhnen, dass auch über 65jährige Schlüsselpositionen besetzen werden. Dies entspricht nicht nur einem gesellschaftlichen Trend. Denn Top-Managerinnen und Manager sind in den meisten Fällen nicht nur körperlich, sondern auch psychisch dafür präpariert.

Heino Lisker ist Leitender Arzt der Psychosomatischen Abteilung der Max Grundig Klinik. Er begleitet seit 25 Jahren Unternehmer und Manager auf dem Feld der Psychologie

Werbeanzeigen
h1

Segmüller

8. April 2009

Nach INQA

Bei der Neueröffnung eines Möbelhauses im hessischen Weiterstadt wurde die Hälfte der über 800 neu zu besetzenden Stellen mit älteren Arbeitslosen besetzt, die zu zertifizierten Einrichtungsberatern qualifiziert wurden.  Das Unternehmen mit Stammsitz in Friedberg bei Augsburg und insgesamt annähernd 4.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, stellt gezielt ältere Arbeitslose für den Verkauf und die Beratung ein.

Grund: die Älteren verfügen über die für den Möbelverkauf und die Beratung unerlässliche Kompetenzen, nämlich soziale Kompetenzen und Souveränität, die sie sich im Laufe der Jahre angeeignet haben. Darüber hinaus haben die Älteren selbst im Laufe ihres Lebens Erfahrungen mit Neueinrichtungen gesammelt, können also fachlich gut beraten.

Es hat sich gezeigt, dass Ältere

  • verlässlich sind,
  • geringere Arbeitsunfähigkeitsfälle aufweisen,
  • pflichtbewusst sind,
  • gut verkaufen können und
  • die Arbeit zu schätzen wissen und ein hohes Maß an Identifikation und Motivation mitbringen.

Die älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nehmen im Unternehmen an allen Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen teil. Zudem ist auch für die älteren Beschäftigten noch eine Karriere möglich. Beispielsweise hat sich ein 56-jähriger ehemals Arbeitsloser vom Verkäufer zum Abteilungsleiter entwickelt.