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Frühes Ende der Karrierefrauen

26. September 2015

ZEIT ONLINE: Frau Funken, die Managerin um die 50 war lange ein unerforschtes Wesen. Sie haben die erste Studie über Frauen in diesem Alter in Führungspositionen gemacht. Was zeichnet diese Managerinnen aus?

Christiane Funken: Sie gehören zur Babyboomer-Generation und damit zu den ersten Frauen, die an der Bildungsoffensive der siebziger Jahre teilnahmen. Die meisten hatten bessere Ausbildungen, mehr Auslandsaufenthalte und Zusatzausbildungen als ihre männlichen Kollegen. Diese Frauen haben oft promoviert und wirklich beeindruckende Karrieren hingelegt, mit großen Aufstiegsschüben. Und dann kam plötzlich ein Cut, sie stoßen an die oft zitierte gläserne Decke, die geradezu aus Panzerglas ist.

ZEIT ONLINE: Wie nehmen die Frauen, mit denen Sie gesprochen haben, diese Panzerglasdecke wahr? Was passiert konkret?

Funken: Sie sagten durchweg: Irgendetwas läuft hier nicht mehr richtig. Seit Jahren trete ich auf der Stelle, ich werde nicht weiter befördert, obwohl ich die Leistung bringe und an der Reihe wäre. Diese Frauen steckten über Jahre hinweg auf dem Höhepunkt ihrer Lebenskraft in der Routinearbeit fest und bewegten sich weit unter ihren Kompetenzprofilen und Fähigkeiten. Entsprechend befanden sie sich in einer Phase der Reflexion: Was liegt hinter mir, was habe ich noch vor mir?

ZEIT ONLINE: Woran liegt es, dass der Karriereknick gerade mit Ende 40, Anfang 50 kommt?

Funken: Die Frauen dieser Generation dachten, eine Karriere funktioniere durch Fleiß, Disziplin und Leistung. Man wird entdeckt und dann läuft das schon. So ist es aber nicht. Die Beförderungslogik von Unternehmen lautet eher: Bis Anfang, Mitte 40 haben wir die Kandidaten, in die wir investieren. Ab Ende 40, Anfang 50 findet der Sprung in die Chef- oder Vorstandsetagen statt. Dafür braucht es einen bestimmten Habitus. Nicht jeder und vor allem nicht jede scheint da reinzupassen.

ZEIT ONLINE: Was halten Sie von der Behauptung, dass viele Frauen gar nicht so dringend an die Spitze wollen?
Funken: Vielleicht sind erfolgreiche Frauen um die 50 nicht mit dem Ziel gestartet, eine Chefposition zu bekleiden. Der Begriff Karriere existierte in dieser Generation für Frauen noch kaum. Nach einigen Jahren merkten sie aber: Oh, es läuft ja! Sie positionierten sich wie ihre männlichen Kollegen. Bis es dann unmittelbar unterhalb der Chefetage endete. Ich traf Bankerinnen, die irgendwann weinend vor mir saßen. Sie sagten: Wir arbeiten Tag und Nacht, wir sind exzellent in dem, was wir tun, wir liefern Großartiges für das Unternehmen, das wird auch anerkannt. Aber gleichzeitig werden die Männer an uns vorbeibefördert. Diese Frauen haben Top-Positionen, aber keine Macht. Selbst wenn sie es – höchst selten – in den Vorstand oder den Aufsichtsrat geschafft haben, sind sie dort isoliert und letztendlich nur Vorzeigefrauen. Von den eigentlichen Macht- oder Informationskanälen werden sie systematisch ausgeschlossen.

ZEIT ONLINE: Und das Alter dieser Frauen spielt keine Rolle? Die Arbeitsbelastung in Top-Jobs verdichtet sich zunehmend – vielleicht liegt der Grund in einer geringeren Belastbarkeit?

Funken: Nein, für diese Frauen war es selbstverständlich, 60, 70, 80 Stunden pro Woche zu arbeiten. Es war ihnen nicht zu viel. Außerdem dürften dann auch keine 50-jährigen Männer mehr befördert werden. Nein, es geht um Männermacht und Männerkultur. Die Ausschlussmechanismen sind allerdings subtil. Es wagt ja heute keiner mehr zu sagen: Du darfst das nicht, du bist eine Frau. Nein, Frauen werden von den Informationskanälen und Entscheidungszentren ausgeschlossen.

Quelle: zeit-online

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Frauen verlieren Machtspiele

19. Mai 2014

„(…) Dass sich mit dem Thema Macht jedoch erfolgreiche Karrierefrauen noch so fundamental irritiert herumschlagen, ist dennoch verblüffend. Tatsächlich setzen Männer Macht im Berufsalltag sehr viel selbstverständlicher ein als Frauen.

Das hat zur Folge, dass Frauen viele Machtspiele verlieren. Erstens, weil sie sie gar nicht erst als Machtspiele wahrnehmen und immer noch auf der Sachebene diskutieren, während ihr Gegner längst strategisch-politisch agiert und sich nur noch durchsetzen will. Oder zweitens, weil ihnen Macht und die damit verbundenen Symbole wie Zahl der Bürofenster oder die Größe des Auspuffs beim Firmenwagen egal sind.

Wenn viele Frauen männlichen Dominanzgesten – seien sie nun sportiv gemeint oder nicht – einfach nur albern und kontraproduktiv finden, haben sie damit nur recht. Sich jedoch in einer von Männern geprägten Umwelt nur ins eigene Büro zurückzuziehen und darauf zu bauen, dass auf die Dauer Sachkompetenz schon überzeugen werde, hilft in der Regel nicht weiter.

Eigentlich müsste die Schussfolgerung für Frauen daher sein, die Regeln des Spiels zu lernen, den Kerlen den Fußball abzunehmen und dann künftig selber eleganter, zielführender und besser zu spielen. Einmal in der ersten Liga angekommen, könnten die Erfolgsfrauen dann das Klima wesentlich prägen und dafür sorgen, dass es im Betrieb künftig teamorientierter und sachlicher zugeht. In diesem Bestreben können wir Frauen nur bestärken. (…)“

Quelle: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/a-969665-3.html