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Dreißig Jahre ungenutzt!

22. Oktober 2009

http://www.zeit.de/2008/11/P-Staudinger

»Das Altersbild beginnt sich zu wandeln; in der Werbung, in den Medien kann man das sehen.« Aber reicht der Schub, um die nötigen gesellschaftlichen Veränderungen auszulösen?

In den letzten hundert Jahren hat sich unsere Lebensdauer um rund 30 Jahre verlängert, ein Zeitraum, der bislang so gut wie ungenutzt bleibt. Dringend müsse Ausgleich geschaffen werden zwischen der wachsenden Doppel- und Dreifachbelastung durch Arbeit, Familie und Bildung in den mittleren Lebensjahren und der Unterforderung in den späteren Jahren, die meist im gesellschaftlichen Abseits verbracht werden, fordert die Entwicklungspsychologin.

Das aber wird nicht gelingen ohne den Abschied von der klassischen Abfolge der Lebensphasen. Erst lernen, dann arbeiten, dann ruhen – dieses Modell ist nicht mehr zukunftsfähig. Gelernt werden muss künftig immer, und gearbeitet werden muss immer länger. Die kommende Generation werde ein heterogeneres, breiteres Arbeitsbild haben, sagt Staudinger. »Meine Hoffnung ist, dass auch die Älteren Arbeit wieder als etwas Sinnstiftendes erleben können.«

Diese Hoffnung gründet sie (…) auf ihre eigenen Forschungsergebnisse: Bestimmte Kernkompetenzen stellten sich mit dem Alter ganz von selbst ein. »Allein dadurch, dass wir älter werden, sind wir besser in der Lage, unser Wohlergehen sicherzustellen. Wir werden sozialkompetenter, zuverlässiger, emotional stabiler, widerstandsfähiger – alles ganz automatisch«

Inzwischen unterscheidet sie zwei positive Lebensverläufe: den Weg der Weisheit und den Weg des Wohlergehens. Die meisten begeben sich auf Letzteren – schon deshalb, weil das Altern ihn von selbst bahnt. Den Weg der Weisheit aber gehe nur eine Minderheit, denn »er ist steinig«. Wer ihn beschreite, müsse Dinge infrage stellen, unbequem sein, die gegebenen Umstände verändern und verbessern wollen.

Projektionsfiguren: die Rolling Stones (…) »Die altern, indem sie weitermachen mit dem, was sie gut können.« (…) Joschka Fischer, der nach Aufstieg und Fall der Welt signalisierte: Das war’s, nun kommt eine ganz neue Phase. Oder der ehemalige Bremer Bürgermeister Henning Scherf, der mit seiner Alten-WG eine neue Lebensform probt – auch im Blick auf das vierte Lebensalter. »Die werden stilbildend sein, ich bin da ganz gespannt«, sagt Staudinger.

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