Posts Tagged ‘Bildung’

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Gleichberechtigung in Deutschland

10. Januar 2019

Es ist so traurig – aber wir kommen nicht weiter, nein es gibt sogar Rückschritte

„Das Weltwirtschaftsforum (WEF) hat den „Global Gender Gap Report 2018“ veröffentlicht. Demzufolge stagniert die Gleichberechtigung weltweit, in einigen Bereichen wächst die Kluft sogar wieder. Deutschland rutscht im jährlichen Index des WEF um zwei Plätze ab.

Laut der neuen Studie des WEF ist die Gleichberechtigung in Deutschland ins Stocken geraten. So habe etwa der Frauenanteil in den Parlamenten abgenommen, zudem gebe es Lücken zwischen den Geschlechtern im Bereich Bildung. Insgesamt sind hierzulande knapp 78 Prozent der Geschlechterkluft geschlossen. Damit landet Deutschland im weltweiten Ranking auf Platz 14, zwei Plätze tiefer als im Vorjahr. Beim ersten Ranking 2006 stand die Bundesrepublik noch auf Platz 5. Spitzenreiter in Sachen Gleichberechtigung bleibt Island mit 85 Prozent.

108 Jahre bis zum Ende der Geschlechterkluft
Laut „Global Gender Gap Report 2018“ stagniert die Gleichberechtigung insgesamt auf der Welt, in einigen Bereichen wachse die Kluft sogar wieder. So habe das Gefälle zwischen Männern und Frauen in den Bereichen Gesundheit und Bildung zugenommen. Lediglich bei der wirtschaftlichen Chancengleichheit sei die Kluft verringert worden, allerdings sei der Frauenanteil an der weltweiten Erwerbsbevölkerung zurückgegangen. Im jetzigen Tempo werde es 108 Jahre dauern, die globale Lücke zwischen den Geschlechtern zu schließen.

Automatisierung drückt Frauenquote
Die Gründe für diese Entwicklung sieht das WEF in der Automatisierung, welche sich unverhältnismäßig stark auf Bereiche auswirke, die traditionell von Frauen besetzt waren. Gleichzeitig seien Frauen in wachsenden Beschäftigungsfeldern, die MINT-Fähigkeiten und -Wissen erfordern, unterrepräsentiert. (MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.)

KI-Fähigkeiten: Deutschland Schlusslicht in Sachen Frauenquote
In Deutschland sei die Lücke zwischen Frauen und Männern bei der Künstlichen Intelligenz (KI) sehr groß. Zu diesem Ergebnis kam das Karrierenetzwerk LinkedIn, welches für den Global Gender Gap Report die Fähigkeiten von LinkedIn-Mitgliedern in 20 Ländern analysierte. Generell gehören KI-Fähigkeiten zu den am schnellsten wachsenden Fähigkeiten. Gemessen an den Angaben zu KI-bezogenen Kompetenzen in den Mitglieder-Profilen gehört Deutschland zu den Vorreitern und belegt in Sachen KI-Fähigkeiten weltweit Platz 3 – hinter den USA und Indien. Geht es um die Repräsentation von Frauen im KI-Bereich, landet Deutschland allerdings auf dem drittletzten Platz. EU-weit teilt sich Deutschland sogar den letzten Platz mit Polen. Nur 16 Prozent aller KI-Fachkräfte in Deutschland sind weiblich. Weltweit liegt die Frauenquote bei KI-Fachkräften bei 22 Prozent.

Global Gender Gap Report untersucht vier Bereiche
Seit 2006 analysiert das WEF jährlich die Gleichstellung von Männern und Frauen in 149 Staaten. Untersucht werden vier Bereiche: die wirtschaftliche Chancengleichheit, die politischen Mitwirkungsmöglichkeiten, das Bildungsniveau sowie der Zugang zu medizinischer Versorgung und Hygiene beziehungsweise die Lebenserwartung von Männern und Frauen in einem Land.“

Quelle: https://www.haufe.de/personal/hrmanagement/Gleichberechtigung-kommt-hierzulande-kaum-voran_80_481472.html?ecmId=27185&ecmUid=2994253&chorid=00571838&newsletter=news%2FPortal-Newsletter%2Fwirtschaft%20%2B%20weiterbildung%2F137%2F00571838%2F2019-01-10%2FTop-News-Gleichberechtigung-kommt-hierzulande-kaum-voran

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Alles gar nicht so schlimm???

5. Oktober 2012

Heute aktuell, dieser Beitrag in der SZ. Ich bringe ihn hier als eine „Gegenrede„. Aus meiner Sicht ist in diesem Aufsatz am wichtigsten dieser Satz :

Wichtiger waren die enorme Entwicklung der Produktivität, die zunehmende Gesundheit der Älteren, die Wanderungen in einer mobilen Welt, die Zunahme der Bildung“

Leider denkt der Autor anscheinend, das seien Gottesgeschenke. Dabei geht es gerade darum, dafür zu sorgen, dass diese Entwicklung nicht abreißt. Genau darauf beziehen sich zu einem großen Teil die Anstrengungen der Unternehmen im Age- und Demografiemanagement.

 

„Demographische Horroszenarien Warum wir positiv in die Zukunft blicken können

02.01.2012, 16:18

Ein Gastbeitrag von Gerd Bosbach

Die Deutschen sterben aus, die Rente ist nicht sicher: Mit solch düsteren Ausblicken machen Politik und Wirtschaft den Menschen Angst – und rechtfertigen soziale Einschnitte in der Gegenwart. Wir sollten kritischer mit den Zukunftsprognosen umgehen, die uns da vorgelegt werden. Das zeigt auch ein Blick in die Vergangenheit.

Das Wort Demographie ist populär, vor allem, wenn es um Einschnitte ins soziale Netz geht. Dann wird es von Politikern, Wissenschaftlern und Unternehmern benutzt, um zu belegen, dass es keine Alternative zu dieser oder jener Kürzung gibt. Demographie gilt als Zukunftsthema. Dabei ist die Angst vor der demographischen Entwicklung viel älter, als man ahnt.

Sozialstaat ist in der Sackgasse – wer zahlt morgen die Renten?“, fragte zum Beispiel 1959 die österreichische Neue Tageszeitung. Konrad Adenauer prophezeite 1953 angesichts der damaligen Bevölkerungsentwicklung: „Dann sterben wir ja aus.“ Doch selbst Adenauer war nicht der Erfinder der Demographie-Angst. Schon 1932 schrieb der bekannteste Bevölkerungsforscher der Weimarer Republik unter dem Titel „Volk ohne Jugend – Geburtenschwund und Überalterung des deutschen Volkskörpers“ über seine demographischen Berechnungen und Befürchtungen. Heute reibt man sich angesichts solcher Szenarien die Augen. Waren das nicht damals völlig unberechtigte Ängste? Wieso diese Angst vor Aussterben und Überalterung?

Die Beobachtungen zur alternden Gesellschaft waren in der Tat auch schon damals korrekt. Im vergangenen Jahrhundert stieg die Lebenserwartung um mehr als 30 Jahre. Der Jugendanteil reduzierte sich von 44 auf 21 Prozent. War 1900 noch fast jeder Zweite unter 20 Jahre alt, war es 2000 nur noch jeder Fünfte; der Anteil der über 65-Jährigen verdreifachte sich in der gleichen Zeit. Die Zahlen klingen katastrophal – doch die Katastrophe ist ausgeblieben. Offenbar war die demographische Entwicklung nicht der bestimmende Faktor des letzten Jahrhunderts. Wichtiger waren die enorme Entwicklung der Produktivität, die zunehmende Gesundheit der Älteren, die Wanderungen in einer mobilen Welt, die Zunahme der Bildung.

Doch dieser Blick in die Vergangenheit der Demographie ist nicht erwünscht. Denn wer ihn kennt, glaubt nicht mehr so leicht, dass soziale Einschnitte wie die Rente mit 67 oder Abstriche bei der Rentenhöhe, die Erhöhung der Krankenkassenbeiträge oder auch der angebliche Fachkräftemangel wirklich überwiegend demographische Gründe haben. Und auf der Suche nach anderen wichtigen Ursachen wird man leicht fündig.

Erstes Beispiel: Der angebliche Fachkräftemangel. Es heißt, dass es heute und auch künftig zu wenige Jugendliche gebe. Doch die heutigen Fachkräfte sind die Ausgebildeten der vergangenen Jahrzehnte. Und dort haben Verantwortliche Fehler begangen. Zwischen 1990 und 2005 wurde Hunderttausenden Jugendlichen die Ausbildung verweigert. Die Bertelsmann-Stiftung ermittelte im Jahr 2010 ungefähr 1,5 Millionen Betroffene zwischen 25 und 34 Jahren. Dieses Versäumnis wirkt also bis 2050 negativ auf dem Arbeitsmarkt. Sogar noch 2009 wurden Ausbildungsplätze reduziert und fertig Ausgebildete entlassen – wegen der Finanzkrise.

Auch in den Hochschulen wird viel vorhandenes Potential verschenkt. Zulassungsbeschränkungen halten vom Studium ab, überfüllte Hochschulen schwächen Qualität, Kreativität und individuelle Entwicklung. Wer aber heute Bewerbern das Masterstudium verwehrt, der sollte in zehn Jahren keine Krokodilstränen über fehlende studierte Fachkräfte vergießen. Unternehmer und Politiker verschenkten und verschenken das Potential der vorhandenen Jugend. Und zur Verschleierung führen sie den Sündenbock Demographie vor.

Zweites Beispiel: Die Mär von den unbezahlbaren Renten. Die Antwort auf die bange Frage von 1959, wer wohl morgen die Renten bezahlen werde, fällt aus heutiger Sicht leicht: Die Produktivitätssteigerungen in der Wirtschaft erlaubten es, die Rentner materiell gut auszustatten, bei sinkenden Arbeitszeiten der Arbeitnehmer und einer ungeahnten Wohlstandssteigerung für fast alle. Mit diesem Wissen von der Vergangenheit können wir versuchen, uns der Zukunft rechnerisch zu nähern. Und das ganz ohne die vielen Unsicherheiten der offiziellen Bevölkerungsvorausberechnungen.

Selbst wenn die Produktivitätssteigerung je Arbeitnehmer jährlich nur ein Prozent beträgt, könnte jeder Beschäftigte im Jahre 2060 dreißig Prozent Rentenbeitrag zahlen und gleichzeitig noch sein verbleibendes Einkommen um über vierzig Prozent steigern, nach Abzug der Preissteigerung. Vorausgesetzt ist allerdings, dass die erhöhte Produktivität auch ausgezahlt wird, die Verteilung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber sich nicht zugunsten der Arbeitgeber ändert. Auch bei der Finanzierung der Renten ist das Hauptproblem also nicht die demographische Entwicklung. Die Umverteilung zugunsten der Unternehmer wirkt viel stärker.

Der Blick in die Vergangenheit macht das plausibel. Seit der Wiedervereinigung ist die wirtschaftliche Leistung Deutschlands nach Angaben des Statistischen Bundesamts um knapp 30 Prozent gestiegen. Nötig waren dazu vier Prozent weniger Arbeitsstunden. Und das alles innerhalb von 20 Jahren, bei vergleichsweise mäßiger Produktivitätsentwicklung, trotz Arbeitslosigkeit, trotz der Finanzkrise mit ihren fünf Prozent Minus beim Bruttosozialprodukt im Jahr 2009. Wenn diese 30 Prozent nicht im Portemonnaie angekommen sind, hat das offensichtlich nichts mit Demographie zu tun, sondern mit der Umverteilung zu Lasten der Arbeitnehmer.

Bürger, Politiker, Journalisten sollten kritischer mit den Zukunftsprognosen umgehen, die uns da vorgelegt werden. Die Prognostiker kennen die Zukunft auch nicht, sie rechnen Daten hoch. Leider manchmal mit versteckten und sogar dubiosen Annahmen. Was also wird bestimmend sein für die Zukunft des Landes und unseres Wohlstands? Neben der Bildung und der Verteilung des produzierten Reichtums beeinflussen sicherlich die Umweltschäden und die Finanzmärkte unsere Entwicklung. Dass Arbeitslosigkeit und niedrige Löhne zu Löchern in den sozialen Systemen führen, ist ebenfalls augenscheinlich. Bei all diesen wichtigen Themen scheinen die Regierenden in Wirtschaft und Politik aber nicht recht weiterzukommen. Vielleicht hören wir ja deshalb so viel über die angebliche demographische Bedrohung.

Zum Schluss: Wenn unsere Wirtschaft auch nur schwach weiter wächst, wenn gleichzeitig die Menschen in Deutschland weniger werden, was bleibt dann für jeden Einzelnen übrig? Ein größeres Stück Kuchen. Wenn nicht jemand vorher ein Stück vom Kuchen klaut.

Gerd Bosbach, 58, lehrt Statistik und Empirische Wirtschafts- und Sozialforschung an der Fachhochschule in Remagen. Zuvor war er Wissenschaftler im Statistischen Bundesamt.“

URL:

http://www.sueddeutsche.de/politik/demographische-horroszenarien-warum-wir-positiv-in-die-zukunft-blicken-koennen-1.1248564

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ELMA – Erhaltung der beruflichen Leistungsfähigkeit und Motivation älterer Arbeitnehmer

28. Juli 2010

http://www.bosch-stiftung.de/content/language1/html/28792.asp

Mit Förderung der Robert Bosch Stiftung haben das Institut für Gerontologie der Universität Heidelberg und das Institut der deutschen Wirtschaft eine praxisorientierte Untersuchung zur Lern- und Veränderungsfähigkeit älterer Mitarbeiter durchgeführt. Diese Untersuchung fand an zwei Standorten der Robert Bosch GmbH statt. Wissenschaftlich fundierte Aussagen über die Lern- und Veränderungsfähigkeit älterer Mitarbeiter gewinnen (…) Aktualität.

Wird durch Bildung tatsächlich ein Beitrag zur Erhaltung der beruflichen Leistungsfähigkeit und Leistungsmotivation geleistet? Diese wichtige Frage, die den Ausgangspunkt der Untersuchung bildete, lässt sich auf der Basis der Untersuchungsbefunde eindeutig mit „ja“ beantworten.

Es wurde ein Bildungskonzept entwickelt und umgesetzt, das sich aus folgenden drei Komponenten zusammensetzt:

  • Kognitives Training
  • körperliches Training
  • Förderung gesundheitsbezogenen Wissens und gesundheitsbewußter Lebensstile.

(…)Innovativ ist, dass die drei Bildungskomponente integriert angeboten werden. Die Ergebnisse zeigen, dass nicht nur die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit, sondern auch das persönliche Wohlbefinden und das Altersbild der Mitarbeiter gefördert werden.

(…) wie wichtig es ist, dass sich Unternehmen und Betriebe vermehrt in der Bildung älterer Mitarbeiter engagieren. Sie geben mit entsprechenden Angeboten zu erkennen, dass sie ältere Mitarbeiter genauso wie jüngere als Ressource und Potential ansehen und ansprechen.Es lohnt sich! Gleichzeitig wird etwas für die Prävention körperlicher und psychischer Erkrankungen getan.

(…)

Die Ergebnisse des Projekts:

  • Lernfähigkeit und Lernbereitschaft sind bei älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eindeutig vorhanden. Dabei wirkt sich die Qualifizierung in früheren Phasen der Erwerbsbiographie positiv aus.
  • Leistungszuwächse lassen sich in verschiedenen Bereichen des Problemlösens, des Gedächtnisses und der Konzentrationsfähigkeit beobachten.
  • Vergleichbare Veränderungspotenziale sind in der körperlichen Fitness erkennbar.
  • Die Vermittlung gesundheitsbezogenen Wissens und die Einübung gesundheitsbewusster Lebensstile sind mit einer Zunahme subjektiv erlebter Verantwortung für die eigene Gesundheit wie auch des gesundheitsbewussten Verhaltens verbunden.
  • Positive Veränderungen zeigen sich in der persönlichen Zukunftsperspektive und im subjektiven Altersbild: Der Alternsprozess wird auch mit möglichen Stärken und Chancen verbunden und nicht allein mit Schwächen und Risiken.
  • Die Motivation zur Teilnahme an dem Projekt, aber auch die Durchhaltemotivation war sehr hoch; die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (und zwar aus den verschiedensten Berufsgruppen) versprachen sich von diesem Projekt hohen persönlichen Nutzen.

Die Potentiale des Projekts:

  • Bestehende Wissenssysteme und Handlungsstrategien werden in optimaler Weise aktiviert und weiter ausgebaut.
  • Die Überzeugung, auch als älterer Arbeitnehmer geschätzt zu sein und gebraucht zu werden, nimmt erkennbar zu – und damit auch die Motivation und Zufriedenheit am Arbeitsplatz.
  • Die Loyalität zum Unternehmen wird weiter gestärkt, da dieses eben auch in die ältere Belegschaft investiert.
  • Das Projekt leistet darüber hinaus einen Beitrag zur positiven Veränderung des Bildes vom Alter und Altern in unserer Gesellschaft.