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Die armen Jungs

20. März 2017
  • Frauen in männlich dominierten Positionen können bei Männern Ängste auslösen
  • Unbewusst bekämpfen sie in der Chefin dann die dominante Mutter von früher
  • Chefinnen müssen die „männliche Seele“ verstehen, um sie erfolgreich zu führen

Trotz der zunehmenden Präsenz von Frauen in den Führungsetagen von Politik, Wirtschaft und Industrie gibt es nach wie vor zwei psychologisch brisante Themen, die oftmals unterschätzt werden. Erstens: Wie fühlen sich Männer, die von einer Frau geführt werden? Zweitens: Was erleben Frauen, die Männer führen wollen und sollen?

Für viele Männer ist es noch ungewohnt, auf den Managementebenen von Frauen umgeben zu sein oder gar von einer Frau geführt zu werden. Der Beruf und die Zentren der Macht sind traditionell die Domäne des Mannes. Da viele Frauen nun auch in üblicherweise von Männern besetzte Funktionen „vordringen“, kann dies bei Männern Ängste auslösen.

[ACHTUNG: ES IST 2017 !!!!!!!!!!!]

Bei Alphafrauen gehen Männer in die Abwehr
Die letzte Bastion, in welcher der Mann noch alleinig was zu sagen hat und souverän wichtige Entscheidungen treffen kann, scheint in Gefahr zu sein. Die Angst, Handlungsmacht und Autonomie zu verlieren, kann für schlaflose Nächte sorgen. Mit männlichen Konkurrenten umzugehen ist der Mann gewohnt, wie aber Frauen begegnen, die ihm die Macht streitig machen wollen? Wenn die Frauen darüber hinaus hervorragend ausgebildet sind, beste Reputationen mitbringen und durch kooperative und wenig rivalisierende Führungskompetenzen überzeugen, sind viele gestandene Manager stark irritiert. Sie haben das Gefühl, mit einer Art konfrontiert zu werden, die sie nicht kennen und die der eigenen eventuell sogar überlegen ist. Hat dann in der männlichen Erfahrung die Mutter eine dominante Rolle gespielt, kann die Chefin unter Umständen auch schnell zur Projektionsfläche werden.

Im Rahmen meiner Tätigkeit als Managementberater konsultieren mich in letzter Zeit recht häufig Führungsfrauen, die den bewussten Gegenwind oder den unbewussten Widerstand der Männer hautnah erleben. Sie sind oftmals ratlos, verzweifelt und versuchen dann – zunächst und fälschlicherweise –, sich durch betont männliches Verhalten (Alphafrau) durchzusetzen. Das kann zu eher negativen Effekten führen, beispielsweise einer totalen Verweigerungshaltung bei den Männern.

Wir brauchen einen geschlechterspezifischen Führungsstil
Es ist ein Dilemma. Was den Frauen häufig fehlt, um Männer wirklich erfolgreich führen zu können, ist ein genaueres Verständnis für die Besonderheiten der „männlichen Seele“. Noch zu wenige haben den Mut, sich mit den geschlechterspezifischen Verhaltenstendenzen auseinanderzusetzen und diese bei der Führung zu berücksichtigen. Nur dann kann es jedoch gelingen, die oft unbewusste Blockadehaltung zahlreicher Männer aufzulösen. Die Hirnforschung, aber auch vergleichende sozialpsychologische Studien haben eindeutig bewiesen, dass Männer und Frauen unterschiedlich ticken. Im Rahmen sämtlicher Führungsmethoden wurde genau dies bislang kaum berücksichtigt.

Durch mehr Frauen in Unternehmen entsteht zum Glück mehr Vielfalt. Um jedoch mit dieser Heterogenität und den daraus entstehenden Anforderungen psychologisch klug umgehen zu können, ist meines Erachtens ein ganz neuer Führungsstil erforderlich. Ein Führungsstil, der die geschlechterspezifischen Präferenzen – und die damit verbundenen Chancen und Gefahren – berücksichtigt und mit ihnen umzugehen weiß. Einen solchen Stil habe ich im Laufe der vergangenen Jahre entwickelt. Ich nenne ihn „Meta-Gender-Führungsstil“. Er kombiniert das Beste aus beiden Welten und wird damit Frauen wie auch Männern und ihren jeweiligen Besonderheiten gerecht.
Veröffentlicht: Montag, 06. März, 00:30 von Werner Dopfer

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