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Weiblichkeit

1. Januar 2015

http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/aleksandra-solda-zaccaro-top-managerinnen-und-ihre-erfolgsgeschichten-a-1008585.html

Aleksandra Solda-Zaccaro, 46, studierte nach einer Lehre zur Bankkauffrau Betriebswirtschaft in München. Sie leitet heute den Münchner Standort der G+J Corporate Editors GmbH

„(…) Das führte dazu, dass ich 2003 die nächste Karrierestufe nahm. Natürlich war ich akribisch vorbereitet und nahm die Verantwortung sehr ernst. Inhaltlich wie netzwerktechnisch. Als Geschäftsführerin übernahm ich im Alter von 35 Jahren die Verantwortung für unterschiedliche Business Units mit in Summe knapp hundert Personen an fünf Standorten in Europa und in den USA. Ich war die erste Frau im Haus, der das gelungen war. Fast unnötig zu erwähnen, dass mich meine Position sehr einsam machte.

Allein unter Männern – wie ein Tropfen Essig in Olivenöl

Allein unter Männern fühlte ich mich als Frau manchmal wie ein Tropfen Essig in Olivenöl. Das mochte sich nicht von alleine vermischen. Ich musste lernen, mich in die Männerwelt zu integrieren, schloss mich Gruppen an und baute mir Partner auf. Für mich war es schwer zu verstehen, dass Männer sich offen attackieren, anschließend ein Bier an der Bar zusammen trinken oder joggen gehen und nichts nachgetragen wird.

Als Frau war ich mal verletzt, zweifelnd, den Grund für eine Auseinandersetzung bei mir suchend und ertappte mich oft, Dinge persönlich zu nehmen. Aber nach und nach lernte ich, Gefallen an dem männlichen Pragmatismus zu finden, der unsere Geschäftswelt diktiert, und versuche heute, dieses meinen Kolleginnen mit auf den Weg zu geben. Situationen abstrahieren, Sachverhalte annehmen und diese nicht auf die eigene Person beziehen.

Was Frauen von Männern lernen können: Chancen beherzt ergreifen

Ich habe übrigens den Männern auch abgeguckt, Chancen, die sich bieten, ohne Zögern zu ergreifen. Das berühmte ‚Window of opportunity‘ zu nutzen und nicht so viel Zeit mit Abwägen und Planen zu verbringen, bis dieses womöglich schon wieder geschlossen ist.

Als junge Managerin habe ich ein großes Angebot abgelehnt, weil ich Skrupel hatte, ich könnte die Position womöglich nicht erfüllen. [ Leute, das ist der größte Fehler der Frauen!!!] Das würde ich heute anders machen. Mittlerweile wüsste ich, wie ich mir die Bedingungen schaffe, um in die viel zu großen Stiefel zu wachsen. Männer sind mutig und tollkühn. Ich kenne keinen Mann, der das Angebot, von dem ich spreche, abgelehnt hätte. Auch Frauen können das trainieren.

Mut zur eigenen Vision

Denn der Mut zur eigenen Vision hat mich schließlich dahin gebracht, wo ich heute stehe. Die weibliche Interpretation beziehungsweise die Art, Netzwerke zu leben, ist eine andere als die der Männer. Ich denke immer auch an meine Mitstreiter im Team, für die ich mich verantwortlich fühle. Das ist nicht mit einer Glucke zu verwechseln.

Ich finde, Spaß miteinander zu haben und sich auf die Loyalität untereinander verlassen zu können, sind Erfolgsgaranten im Job. Das geht in gemischten Teams automatischer. Hier kommt übrigens die Rolle des Mentors ins Spiel, die ich für essenziell halte. Ich hatte glücklicherweise einen Mentor, der mich in meiner Entwicklung begleitet hat, mir direktes Feedback gab, mich schulte im Umgang mit politischen Situationen und mich dabei ermutigte, mir selbst treu zu bleiben – wissend, dass man als Frau unter besonderer Beobachtung steht. Ich war automatisch zu einem ‚Role Model‘ geworden. Die Frau, die den Weg ebnet.

Wie uniform muss man sich geben?

Eine weitere Frage stellte sich auf der neuen Hierarchiestufe: Wie weiblich darf man sein? Wie uniform muss man sich geben? Ich hatte mich für die Uniformität entschieden. Kleidete mich dann im Stile meiner Kollegen in schwarzem Anzug und weißer Bluse (es fehlte zur Uniform nur die Krawatte). Es dauerte, bis ich – bedingt durch das Gefühl der Akzeptanz im männlichen Führungskreis – zur Authentizität der Weiblichkeit auch im Kleidungsstil zurückkehrte. Im Rückblick denke ich, dass ich mir zu viele Gedanken darüber gemacht habe.

Denn: Es gibt keine Problemlösung, die durch Kleidung erzielt werden könnte. Man ist und bleibt eine Frau (das hatte ich witzigerweise bereits 1986 während eines Praktikums bei einem Münchner Autobauer erlebt: Selbst im Blaumann, mit Sicherheitsschuhen, Schweißerbrille und Helm, bleibt man eindeutig eine Frau, die beobachtet wird). Meine Antennen sind übrigens noch heute ausgefahren: In Meetings achte ich nach wie vor darauf, was die einzelnen Frauen tragen. Und ich erfreue mich an dem bunteren Erscheinungsbild – inzwischen bei Männern und Frauen.

2008 wurde ich mal wieder Präzedenzfall – diesmal, weil ich als Geschäftsführerin schwanger wurde. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits im sechsten Jahr in der Geschäftsführungsposition. Im Unternehmen standen Umstrukturierungen auf Vorstandsebene an, die zu deutlichen Weichenstellungen führen sollten. Was tut man im Moment der Neupositionierung idealerweise? Man sammelt Fakten, führt Gespräche, bringt sich in Stellung und ins richtige Licht. Man achtet auf die Verschiebung der Machtverhältnisse und positioniert sich selbst.

Heiß begehrter Platz in der Firmenkrippe

Ich war zu dieser wichtigen Zeit aus geschäftlicher Sicht sicherlich nicht am idealen Ort, sondern im Kreißsaal. Der Wiedereinstieg nach der Geburt musste also neu durchdacht werden, neue Netzwerke mussten gebildet werden, und die Positionierung musste nun in eine bereits geschaffene Struktur passen.

Nach einer dann achtwöchigen Baby-Pause stieg ich stufenweise wieder ein, bis ich innerhalb des Unternehmens eine neue Geschäftsleitungsposition antrat. Unsere Tochter bekam mit sechs Monaten einen heiß begehrten Platz in der Firmenkrippe, was natürlich die Konzentration auf den Wiedereinstieg enorm begünstigte.

Natürlich stellt sich auch bei mir als Mutter die Frage der Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Viele meiner neuen Kolleginnen und Kollegen und Geschäftspartner wussten lange nicht, dass ich ein Baby habe, da ich wie immer ’normal‘ funktionierte. Viel reiste, Meetings zu jeder Zeit und open end abhielt und immer ein offenes Ohr hatte. Wie bei vielen anderen erfolgreichen Frauen, die ich kenne, übernimmt bei uns mein Ehemann die Erziehung unserer Tochter. Uns liegt daran, dass einer von uns für sie da ist. Die Familie ist mir so wichtig wie der Job. Ich habe mich übrigens auch gefragt, wie eine weitere Schwangerschaft, eine weitere, wenn auch nur kurze Auszeit meine Karriere wohl beeinflusst hätte.

Ich habe immer schon einen klaren Blick für das gehabt, was ich erreichen will, und die Wege gesucht und getestet, die mich zum Ziel führen. Flexibilität und absolute Disziplin sind meine Begleiter auf dem Weg. Bei all der Strenge und Absolutheit im Job spielt für mich die menschliche Komponente eine große Rolle, Respekt und lebenslanges Lernen. Ich arbeite am liebsten in Teams. Übrigens antwortet meine Tochter auf die Frage, was sie denn mal werden wolle, ‚Chefin‘.“

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