Archive for Juni 2014

h1

Die kaputte Elite

5. Juni 2014

„(…)er schildert ähnliche Szenarien unter den Eliten: Berater, Business Schools, Manager und Regierende balgen sich um Geld, sehr viel Geld. Dieses Buch handelt von nichts anderem als Geld, Mathematik zur Erreichung dieses Geldes und hirnloses Leben. Da überholt auch niemand mehr irgendjemand. Unter dem Eindruck der ganz großen Macht drehen sich die Tänzer in die Trance der Zahlengetriebenheit.

Benedikt Herles dichtet sich und seinen Lesern keine schönen Aussichten: Geändert werden kann das laufende Elitensystem nur, indem abgetreten und – das sagt der Autor nicht – eigentlich auch gestorben wird. Im Original: „Erst wenn die alte Generation abtritt, ist der Weg für neue Erkenntnisse frei.“ Diese Passage leiht sich Herles bei einem hochrangigen Wissenschaftler: Paul Krugmann. Mit anderen Worten: Wir müssten darauf warten, bis ein System personell ausstirbt und während dessen die Alternative vorbereiten. (…)

Quelle: http://www.hrm.de/fachartikel/rezension%3A-%22die-kaputte-elite%22-|-benedikt-herles-bekenntnisse-eines-business-school-absolventen–11665

Advertisements
h1

Gefühle beeinflussen die Alterung

5. Juni 2014

07.08.10
Psychologie
So drastisch beeinflussen Gefühle die Alterung

Man ist so alt, wie man sich fühlt: Psychologen zeigen, wie die Vorstellungen vom Älterwerden unsere Lebenserwartung beeinflusst. Von Cornelia Werner

Den Anfang machte eine ungewöhnliche Studie: Die amerikanische Sozialpsychologin Ellen J. Langer startete 1979 ein Experiment mit älteren Menschen in einem Kloster, das ihre Sicht auf das Altern entscheidend beeinflussen sollte. Männer zwischen Ende 70 und Anfang 80 wurden in zwei Gruppen zu je acht Teilnehmern aufgeteilt. Beide Gruppen hielten sich für eine Woche in einer Umgebung auf, wie sie 1959 existierte, mit Schwarz-Weiß-Fernsehen, Musik von Nat „King“ Cole und Filmen wie „Ben Hur“.

Gleichzeitig wurde die experimentelle Gruppe aufgefordert, sich vorzustellen, es sei tatsächlich 1959. Alles, was in ihrem Leben nach dieser Zeit geschah, sollte in der Woche tabu sein. Die Kontrollgruppe erhielt die Aufgabe, sich nur rückblickend mit dem auseinanderzusetzen, was sie 1959 beschäftigte.

Das Ergebnis des Experiments: Beide Gruppen waren „jünger“ geworden, aber bei denen, die sich 20 Jahre zurückversetzt hatten, waren deutlicher Veränderungen messbar: So hatte sich unter anderem die Beweglichkeit ihrer Gelenke verbessert, und in Intelligenztests waren stärkere Verbesserungen festzustellen.

Der Satz „Wir sind so jung, wie wir uns fühlen“ gewinnt damit neue Aktualität. Wie wir alt werden, wird stark von unseren Vorstellungen vom Altern beeinflusst, davon, welche Bilder wir vor Augen haben, wenn wir an alte Menschen denken, behauptet Langer. Die Ergebnisse ihrer jahrzehntelangen Arbeit hat die Harvardprofessorin in ihrem Buch „Counterclockwise“ (Gegen den Uhrzeigersinn) zusammengefasst.

„Das Entscheidende beim Altern spielt sich im Kopf ab“, sagt auch der Hamburger Altersforscher Professor Wolfgang von Renteln-Kruse. Wenn ein älterer Mensch sich zutraut, bestimmte Dinge machen zu können, und einen Lebensentwurf hat, dann ist das entscheidend dafür, dass er es auch schafft. „Self-efficacy“ nennen Experten dieses Vertrauen, etwas bewirken zu können.

Das kann auch dazu beitragen, sich weniger ausgeliefert zu fühlen, wenn man an das Alter denkt, eine positivere Haltung einzunehmen – und vielleicht sogar länger zu leben. In diese Richtung weist eine Studie, die Langer in ihrem Buch beschreibt. Darin fand ihre frühere Studentin Becca Levy mit Kollegen heraus, dass die Einstellungen von Menschen mehr zu ihrer Gesundheit beitragen könnten als physiologische Faktoren.

Sie untersuchten die Lebensspanne von mehr als 650 Menschen in Oxford, Ohio, die 1975 gebeten worden waren, in einem Fragebogen negative oder positive Sätze zum Alter anzukreuzen. 20 Jahre später fanden die Forscher heraus, dass diejenigen, die das Altern positiver betrachteten, im Durchschnitt 7,5 Jahre länger lebten als jene, die eine negative Haltung hatten.

Von Renteln-Kruse kennt auch die negativen Beispiele der vorgefassten Einstellungen aus seiner Arbeit: „Etwas, das man bei älteren Frauen viel häufiger findet als bei älteren Männern, ist das sogenannte Post-Fall-Syndrom. Jemand, der bisher im Alltag mobil war, stolpert aus Unachtsamkeit und bricht sich einen Knochen.

Das kann ein gravierender Einschnitt sein – mit möglicherweise fatalen Folgen: Die Angst, das Gleiche könnte wieder passieren, führt dazu, dass man nicht nur vorsichtiger geht, sondern auch Dinge, die man sonst automatisch gemacht hat, einschränkt. Dadurch entsteht ein Teufelskreis. Wenn ich etwas nicht mehr mache, verliere ich auch die Fähigkeit, das machen zu können„, erklärt von Renteln-Kruse.

Nur 30 Prozent genetisch bedingt

Auch im Alter muss man eine Perspektive haben, die Fähigkeit, seinem Leben etwas abzugewinnen. Rund 30 Prozent der Einflüsse, die darüber entscheiden, wie wir altern, sind genetisch bedingt. Aber mehrheitlich entscheidet der Lebensstil: wie jemand Herausforderungen annimmt, welche Einstellung er zum Körper hat, wie er die Balance zwischen Ruhe und Anspannung findet und soziale Kontakte pflegt.

Und unser Bild vom Altern ist geprägt durch das Elternhaus, Schule und Freunde, alte Menschen, mit denen wir in der Jugend Kontakt gehabt haben. „Wir brauchen ein anderes Bild des Alterns. Wenn ich zum Beispiel Studenten die Frage stelle: ,Was assoziieren Sie mit Alter?‘, dann stehen zehn Punkte auf der Minusseite und drei bis vier Punkte auf der Plusseite.

Die Masse assoziiert mit Hochaltrigkeit immer noch Begriffe wie Demenz (…), Pflegebedürftigkeit und Altersheim“, sagt von Renteln-Kruse. Die positiven Aspekte werden viel zu selten gesehen, dabei kann das Älterwerden dazu führen, dass man sich nicht mehr so schnell aufregt, Dinge besser einordnen kann, auf neue Trends nicht mehr so schnell hereinfällt. Ältere haben eine viel breitere Erfahrungsgrundlage dafür, ein Urteil zu fällen.

Auch für körperliche Fitness im höheren Alter ist entscheidend, wie gut das Gehirn Aufgaben koordinieren kann. „In einem Forschungsprojekt gehen Studienteilnehmer für Ganganalysen über einen speziellen Teppich und werden gebeten, dabei zum Beispiel von hundert rückwärts laut zu rechnen. Die Art und Weise, sich sicher im Raum zu bewegen, wird vom Gehirn beeinflusst“, sagt der Altersforscher.

Aus der Ganganalyse könnten auch bestehende oder beginnende Leistungseinschränkungen des Gehirns erkannt werden, erklärt von Renteln-Kruse und nennt als zweiten wichtigen Faktor für körperliche Fitness die Motivation: „Wenn ich jemanden motivieren will, sich mehr zu bewegen, gelingt mir das am besten, wenn ich ihm etwas empfehle, woran er auch Freude hat und die Erfahrung macht: Ich fühle mich besser und bin überrascht davon, dass ich etwas noch kann, was ich mir nicht mehr zugetraut habe.“

Dazu gehört auch, sich auf Neues einzulassen. „Wenn wir anerkennen, dass derzeitige, Fakten‘ nicht unveränderbar sind, tun sich neue Möglichkeiten auf“, schreibt Langer. „Wir haben gesehen, dass unsere Haltungen, Ideen und Überzeugungen genauso wichtig für unsere Gesundheit sind wie unsere Diäten und Ärzte.“

Quelle: http://www.welt.de/gesundheit/psychologie/article8859474/So-drastisch-beeinflussen-Gefuehle-die-Alterung.html