Archive for Dezember 2013

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Altersgerechte Beschäftigung

17. Dezember 2013

Vom Dach herunter ins Büro: Der Dachdeckerbetrieb A. Plenkers ermöglicht seinen Mitarbeitern altersgerechte Beschäftigung durch eine erweiterte Aufgabenstruktur

Um das Wissen qualifizierter Beschäftigter zu erhalten, wurden die Tätigkeiten älterer Dachdeckergesellen leichter und vielfältiger gestaltet. Nach dem Motto „vom Dach herunter ins Büro“ übernehmen die Gesellen nun verstärkt Planungsaufgaben und die Kundenbetreuung im nordrhein-westfälischen Dachdeckerbetrieb.

Ausgangslage: Was war die Herausforderung? Das Dachdeckerhandwerk stellt hohe Anforderungen an die körperliche Belastbarkeit der Beschäftigten. Daher ist es wichtig, alterskritische Belastungen (Belastungen des Rückens und der Gelenke, Verletzungs- und Absturzgefahr, Witterungseinflüsse) zu reduzieren, um diesen Beruf bis zur Rente ausüben zu können. Im Dachdeckerbetrieb A. Plenkers war das Ziel der durchgeführten Maßnahmen, eine langfristige Planung der innerbetrieblichen Laufbahn zu ermöglichen und qualifizierte Mitarbeiter zu halten.

Aktivitäten. Was wurde wie gemacht? Unter Einbeziehung aller Mitarbeiter wurden deshalb Tätigkeitsanalysen durchgeführt und gemeinsam in einem Workshop Maßnahmen zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit erarbeitet. Als hilfreiche Maßnahmen erwiesen sich:

  •  Der Einsatz von Hebehilfen
  • Die Erstellung von Checklisten für die Baustellenplanung
  • Die Qualifizierung der Mitarbeiter durch den Inhaber im Bereich der EDV-gestützten Auftragsbearbeitung
  • Die Übertragung von Verantwortung und die Erweiterung der Arbeitsaufgaben

Ergebnisse. Was konnte erreicht werden?

  • effektivere Gestaltung der Arbeitsabläufe / Arbeitsorganisation
  • Erhöhung der Arbeitszufriedenheit
  • Verbesserung der Arbeitsbedingungen durch Reduzierung der vorhandenen Belastungen (z.B. durch den Einsatz von Hebehilfen und Transportmitteln)
  • Qualifizierung der Mitarbeiter

Erfolgsfaktoren. Was können andere davon lernen?

  • Erhalt der Arbeitsfähigkeit
  • geringe Mitarbeiterfluktuation
  • Motivation der Mitarbeiter

Quelle: http://www.inqa.de/DE/Lernen-Gute-Praxis/Top-100-Gute-Unternehmenspraxis/Chancengleichheit-Diversity/Anton-Plenkers-Vom-Dach-herunter-ins-Buero.html

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Diese Berufsgruppen sehen alt aus

17. Dezember 2013

24.10.13

Fachkräfte-Studie

Schon lange wird über Fachkräftemangel geredet. Vor allem bei Ingenieuren. Doch selbst dort muss man genau hinschauen. Nicht jede Spezialisierung ist rar und gefragt, wie eine Demografie-Studie zeigt. Von Flora Wisdorff

Als Elektroingenieur (Link: http://www.welt.de/116782878) hat man derzeit gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Wer beim Jobportal Stepstone Elektroingenieur eingibt, erhält eine Liste mit 725 Angeboten. Darunter namhafte Unternehmen wie BMW (Link: http://www.welt.de/boerse/aktien/Bayerische-Motoren-Werke-AG-DE0005190003.html) , die Deutsche Bahn oder auch ThyssenKrupp (Link: http://www.welt.de/boerse/aktien/ThyssenKrupp-AG-DE0007500001.html) .

Das ist kein Wunder: Denn der Beruf des Elektroingenieurs gehört zu den Tätigkeitsfeldern, in denen Fachkräfte stark gesucht sind – es aber nicht genügend Nachwuchs gibt. Schon jetzt treten bei der Besetzung der Stellen Engpässe auf. Ganze 98 Tage dauert es im Schnitt, bis eine freie Stelle besetzt werden kann. Zum Vergleich: Bei Buchhaltern sind es nur 50 Tage.

Der Beruf des Elektroingenieurs (Link: http://www.welt.de/116782878) wird stark von der Bevölkerungsentwicklung beeinflusst, wie die Studie „Berufe im demografischen Wandel“ der Universität Rostock zeigt, die die Hochschule im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit durchgeführt hat. Insgesamt nahm sie in der Untersuchung, die der „Welt“ vorliegt, zwölf Berufe unter die Lupe. Herausgeber der Studie (Link: http://www.inqa.de/DE/Lernen-Gute-Praxis/Publikationen/berufe-im-demografischen-wandel.html) ist die Initiative Neue Qualität der Arbeit.

Vor allem Elektroingenieure fehlen. Bei den Elektroingenieuren fielen die Ergebnisse besonders drastisch aus: 2011 lag demnach der Anteil der über 55-jährigen Beschäftigten in der Sparte bei 17 Prozent, und schon 2020 könnte er bei 34 Prozent liegen – das ist einer der höchsten Werte überhaupt. Bis 2020 könnte sich die Situation so zuspitzen, dass die Berufsordnung gar „in ihrem Bestand gefährdet“ sein könnte, schreiben die Autoren der Studie, Thusnelda Tivig, Golo Henseke und Jens Neuhaus.

Die Studienautoren haben Alterungstrends und Fachkräfteengpassrisiken für zwölf Berufsordnungen aus vier Bereichen untersucht. Darunter sind drei, die als vom demografischen Wandel besonders gefährdet gelten: Fertigungsberufe wie Zerspanungsmechaniker und Chemiebetriebswerker, die sogenannten MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik), die Gesundheits- und Pflegeberufe sowie als vierte Gruppe die kaufmännischen Berufe, die als Vergleichsgruppe dient.

Dass der demografische Wandel bereits jetzt zu einem Fachkräftemangel führt und sich dies in den kommenden Jahren noch verstärken wird, ist nicht neu. Bisher gab es jedoch keine berufsspezifischen Untersuchungen. „Ein klares Ergebnis der Studie ist, dass die Verfügbarkeit von Fachkräften in jeder Berufsgruppe unterschiedlich ausfällt und unterschiedliche Gründe hat. Man kann also nicht pauschal von Fachkräftemangel sprechen“, sagt Tivig.

Wirtschaftsingenieure sind weniger gefragt. Besonders deutlich wird das bei den Ingenieuren: Hier habe die Untersuchung gezeigt, dass es noch keinen generellen Fachkräftemangel gebe: „Ingenieur ist nicht gleich Ingenieur“, sagt Tivig. So treten bei den Elektroingenieuren jetzt schon Engpässe auf, nicht aber bei den Wirtschaftsingenieuren. Im hochinnovativen Beruf des Elektroingenieurs trete man spät ein, aber auch recht früh wieder aus, schreiben die Experten.

Bei den Wirtschaftsingenieuren, die zum Beispiel im Maschinenbau tätig sind, gibt es dagegen kaum Probleme, weil es einen regelrechten „Boom“ bei den Absolventen dieser Fachrichtung gebe. Seit 2008 sei ihre Gruppe jünger als der Durchschnitt und werde dies bis 2020 wohl auch bleiben.

Auch bei den Naturwissenschaften ergibt die Untersuchung kaum Engpassrisiken. Anders sieht es in den Fertigungs- und Gesundheitsberufen aus. Vor allem bei Drehern und Fräsern zeigen sich Engpassrisiken und Alterungstendenzen, genauso wie bei den Krankenschwestern und Erziehern.

Keine Engpässe bei Kaufleuten. Bei den kaufmännischen Berufen, zu denen auch die Bankfachleute gehören, altern die Beschäftigten zwar auch. Aber die Autoren sehen kaum Risiken für einen Fachkräftemangel, weil die Jobs auch für Ältere attraktiv seien und über die „Vielfalt der Zugangswege“ Stellen besetzt werden könnten.

Der Anteil der über 55-Jährigen an den Beschäftigten einer Berufsgruppe ist der Studie zufolge besonders aussagekräftig, um zu beurteilen, wie stark diese vom demografischen Wandel betroffen ist. Im Zeitraum zwischen 1993 und 2011 ist er in allen untersuchten Berufsgruppen gestiegen, in den meisten hat er sich mehr als verdoppelt. „2020 könnte er bei 20 bis 30 Prozent liegen, das ist viel“, sagt Thusnelda Tivig.

Auch das Durchschnittsalter der Beschäftigten wird der Studie zufolge in allen Berufsgruppen steigen: Während es 1993 in nur drei Berufen bei 40 Jahren lag, gehen die prognostizierten Werte für 2020 von 42 bis 48 Jahren aus. Die gezielte Auswahl der Berufsordnungen erlaube auch allgemeinere Schlussfolgerungen, schreiben die Autoren in ihrer Studie. Unternehmen und Politik seien gefragt, für passende Arbeitsbedingungen zu sorgen, denn „ohne die Älteren werden wir nicht auskommen“. Gelinge es nicht, sie in Arbeit zu halten, würden Engpässe auftreten. „Daraus folgen schnell negative Auswirkungen auf Wettbewerbsfähigkeit und Wertschöpfung.“

In manchen Berufen ist Zuwanderung nötig. In den einzelnen Berufsgruppen müsse man jedoch unterschiedliche Rezepte prioritär anwenden. Die Knappheiten ließen sich nicht pauschal bekämpfen, sagt Tivig. So bringe es in den männerdominierten Fertigungsberufen der Metall- und Elektroindustrie wenig, sich darauf zu konzentrieren, Frauen für die Branche zu gewinnen. „Selbst wenn sich daraufhin ihr Anteil verdoppeln würde, ist das immer noch wenig. Vor allem arbeitssparender technischer Fortschritt, wie die Schaffung technisch assistierter Arbeitsplätze, könne hier zu einer wesentlichen Kraft zur Vermeidung von Fachkräfteengpässen werden, heißt es in der Studie. Gleichzeitig könnten Arbeitskräfte aus anderen Wirtschaftsbereichen helfen, die Engpässe zu überbrücken.

In den MINT-Berufen sehen die Autoren nur bei den Elektroingenieuren Handlungsbedarf: Hier dürfte das Hauptpotenzial in einer gezielten Einwanderung liegen, schreiben sie. Die verstärkte Anwerbung von Frauen dürfte nur eine begrenzte Wirkung haben, da ihr Anteil gering sei. In den von weiblichen Beschäftigten dominierten Gesundheits- und Pflegeberufen dagegen stelle „die Ausweitung der Arbeitszeit von Frauen das mit Abstand wichtigste Kompensationspotenzial zur Vermeidung von Fachkräfte-Engpässen dar“.

Technischer und organisatorischer Fortschritt könne insbesondere in der Pflege helfen. Der Einsatz von Migranten sei bereits weit verbreitet. Insgesamt muss man Tivig zufolge über alle Berufe hinweg auf die Älteren setzen. „Selbst die Migration wird irgendwann erschöpft sein, auch wegen des scharfen internationalen Wettbewerbs um gute Fachkräfte“, sagt sie. „Die Rente mit 67 (Link: http://www.welt.de/themen/rente-mit-67/) hilft sehr, aber sie muss auch faktisch gelebt werden.“

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Quelle: http://www.welt.de/wirtschaft/article121163790/Diese-Berufsgruppen-sehen-alt-aus.html