Archive for November 2012

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Schluss mit dem Gejammer!

9. November 2012

… so überschrieb Amelie Fried am 3.11.2012 ihren Artikel in der Süddeutschen Zeitung.

Sie gestand zunächst, „strikte Gegnerin der Frauenquote“ gewesen zu sein. Sie fand die Beschwerden „über ihre strukturelle Benachteiligung“ der anderen Frauen „ziemlich blöd“ und da sie davon ausging, jeder wolle seinen „Aufstieg aus eigener Kraft schaffen“, konnte sie sich auch „nicht vorstellen, dass eine qualifizierte und selbstbewußte Frau auf dem Quotenticket nach oben kommen wollte“. In ihrer persönlichen Welt, Freiberuflerin, „Medienschaffende“, hat sie dann erst sehr spät bemerkt, dass die Leiter in Zeitung, Rundfunk und Fernsehen „allesamt Männer“ waren. Es gibt „bei der ARD drei Intendantinnen“, „zwei Prozent Chefredakteurinnen“ in den Tages- und Wochenzeitungen. In der Wirtschaft sind „nur 12,8 Prozent der Aufsichtsrats- und Vorstandsmitglieder weiblich“, dabei in den Vorständen nur 4,5 Prozent. Beinahe Schlußlicht in Europa!

Zu den Argumenten gegen die Frauenquote kam zuletzt durch einen Artikel in der Wirtschaftswoche die „Klage, eine Frauenquote führe zur Diskriminierung männlicher Bewerber“. (Übrigens: das wurde in der Wirtschaftswoche damals mit vollem Ernst diskutiert!) Amelie Fried fährt zu dem Thema Männerdiskriminierung fort, „das Argument (…) ist so lächerlich wie verräterisch; es kommt immer von Männern, die um den Verlust ihrer Privilegien oder um ihr persönliches Fortkommen fürchten, vorgetragen unter Heulen und Zähneklappern. Alles Quatsch! Es geht nicht um eine Bevorzugung der Frauen, weil sie Frauen sind. Es geht darum, bei gleicher Qualifikation Frauen gleiche Chancen einzuräumen, um eine jahrtausendealte Benachteiligung zu beenden. Selbst bei Einführung einer Frauenquote von 30 Prozent hätten wir noch immer eine Männerquote von 70 Prozent. Das soll Diskriminierung sein?“

Sie setzt fort, dass es in bestimmten Branchen bekanntermaßen schwieriger ist, geeignete Frauen zu finden; die „Ingenieuerinnen, Machinenbauerinnen“, die fehlen. Aber ganz zu Recht fährt sie fort: Auch in den „technologisch-naturwissenschaftlichen“ Unternehmen „gibt es Vorstände für Personal, Vertrieb und Finanzen. Die meisten in deutschen Unternehmen amtierenden Vorstände und Aufsichtsräte haben Jura oder Wirtschaft studiert (…) und hervorragende Juristinnen und Wirtschaftswissenschaftlerinnen gibt es wahrhaft genug.“

Am Beispiel von Thomas Ebeling (Vorstandvorsitzender von ProSiebenSat1) zeigt sie, dass keine „stringente“ Karriere erforderlich ist, denn der war zuvor bei Pepsi und Novartis, ist obendrein studierter Psychologe. – Sie bezeichnet das als „Chuzpe“.

Der Fraktionszwang müßte schon aufgehoben werden, wenn der Bundestag über eine Quote abstimmt. Die Flexi-Quote stuft Fried als „windelweich“ ein. Inzwischen habe sich im Laufe der Diskussionen die Rhetorik „verändert – die Jungs sind ja nicht blöd. Dabei bleibt es aber dann auch. Das Diktum des Soziologen Ulrich Beck von der verbalen Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre beschreibt treffend das männliche Verhaltensmuster.“ Und Amelie Fried spricht sich deshalb für die Quote aus, da sich „ohne feste Frauenquote nichts Grundsätzliches bewegen wird.“

Die Wirtschaft müßte dann aktiv werden und die Quote „würde auch uns Frauen zwingen, Farbe zu bekennen. Dann wäre Schluss mit dem Gejammer. Wir müssten unter Beweis stellen, dass wir können und wollen, was wir jahrzehntelang gefordert haben.“ Denn es geht dann schon darum, „tatsächlich Verantwortung zu übernehmen und sich einen mühsamen 60-Stunden-Job ans Bein zu binden, bei dem sie sich in der dünnen Luft der Führungsetagen und in den männerbündischen Strukturen eines Unternehmens behaupten müssen.“ Und solche Frauen, „die das nicht wollen“, meint Fried, gibt es. „Das darf aber nicht weiter als Ausrede dafür dienen, den anderen Frauen, die es können und wollen, den Aufstieg zu verwehren.“

Ich finde, das ist ein schöner Auftakt für das Thema. Interessant wird in Zukunft sein:

  • Wie verändern sich die männlichen Verhaltensmuster, wie können die männerbündischen Strukturen geknackt werden?
  • Was hindert Frauen daran, Verantwortung zu übernehmen?
  • Um welches Können und Wollen geht es konkret?
  • Wie kommen Frauen zu mehr „Chuzpe“?
  • Geht es wirklich um 60-Stunden-Jobs oder stehen wir auch vor einer Veränderung der Arbeitswelt?
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Instrumentenkasten und in eigener Sache

7. November 2012

Das BMAS hat den Abschlußbericht veröffentlicht:

„Instrumentenkasten für eine altersgerechte Arbeitswelt in KMU
Analyse der Herausforderungen des demografischen Wandels und Systematisierung
von Handlungsoptionen für kleine und mittlere Unternehmen“

Quelle:

http://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/Forschungsberichte/Forschungsberichte-Arbeitsmarkt/fb424-instrumentenkasten-altersgerechte-arbeitswelt.html

Sehr lesenswert! Darin ist eigentlich alles enthalten.
In eigener Sache:

In Zukunft werde ich weiterhin auf das demografische Thema spezialisiert bleiben, insbesondere in meinen Seminaren (z.B. das Seminar „Reife Leistung!“) und Workshops. In diesem Blog habe ich jedoch zum Thema schon so viel zusammengetragen und der o.g. Instrumentenkasten, den ich wirklich zum Download empfehle, bietet eine breite, beinahe abschließende Übersicht.

Natürlich werde ich Interessantes/Bemerkenswertes zur Demografie im Arbeitsleben weiterhin veröffentlichen. In Zukunft interessiert mich aber darüber hinaus auch das Gebiet „DIVERSITY“. Das bedeutet, neben dem Thema Demografie wende ich mich speziell der Frauenförderung und der Work-Life-Balance zu. Beide halte ich für wesentliche Themen in unseren Unternehmen, die jetzt seriös angegangen werden müssen.

… Ich hoffe also, Sie bleiben mir treu! …