Archive for Juli 2012

h1

Unterforderung

25. Juli 2012

25.07.2012

„Viele Menschen sind im Job unterfordert

Unterforderung am Arbeitsplatz ist ein Massenphänomen, zeigt eine Studie. Doch wie passt das mit dem Ruf der Wirtschaft nach Facharbeitern zusammen? Trotz Facharbeitermangels sind nach einer Studie viele Menschen an Arbeitsplätzen eingesetzt, für die sie überqualifiziert sind. Fast jeder fünfte Arbeitnehmer (17,6 Prozent) mit Hochschulstudium oder abgeschlossener Berufsausbildung sei unterfordert, heißt es in einer von der IG Metall Baden-Württemberg in Auftrag gegebenen Untersuchung der Universität Stuttgart Hohenheim. „Da liegt ein Potenzial brach, mit dem ein großer Teil der Facharbeiterlücke geschlossen werden könnte“, sagte Baden-Württembergs IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann in Stuttgart.

Bessere Berufsorientierung gefragt

Diese werde im Südwesten auf 200.000 beziffert. Die Zahl der nicht entsprechend ihrer Qualifikation eingesetzten Menschen liege aber etwa dreimal so hoch, sagte der Gewerkschafter. Er mahnte vor allem Weiterbildungsanstrengungen bei den Firmen und eine bessere Berufsorientierung an. Überdies dürften die Firmen bei der Auswahl ihrer Mitarbeiter nicht so wählerisch sein. Hochschulen müssten mehr berufsbegleitende Weiterbildungsangebote bereitstellen.

Elf Prozent stark überqualifiziert

Nach den Worten von Ralf Rukwid von der Universität Hohenheim sind

  • 10,8 Prozent der untersuchten Arbeitnehmergruppe stark und 6,8 Prozent leicht bis mittel überqualifiziert.
  • Im Bund lag der Anteil der unterforderten Menschen mit einer beruflichen Ausbildung (17,2 Prozent) unter dem derjenigen mit abgeschlossenem Studium (18,9 Prozent).
  • In Ostdeutschland ist das Risiko eines der Qualifikation nicht angemessenen Arbeitsplatzes etwas stärker ausgeprägt (18,7 Prozent) als im Westen (17,4 Prozent).

Grundlage der Studie waren Daten von 6.500 Menschen.

Mehr Weiterbildungschancen für Frauen

Als Risikogruppen hat Wissenschaftler Rukwid insbesondere Frauen, Menschen mit Migrationshintergrund, Teilzeit-, befristet oder geringfügig, besonders junge und besonders alte Beschäftigte sowie Neuangestellte ausgemacht. Hofmann forderte mehr Möglichkeiten, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, und mehr Weiterbildungschancen für Frauen in der Elternzeit. Denn mit 22,4 Prozent stellen weibliche Arbeitnehmer einen weit höheren Anteil der „unterwertig Beschäftigten“ als ihre männlichen Kollegen (13,1 Prozent).“

Quelle: http://www.haufe.de/unternehmensfuehrung/recht_personal/Viele%20Menschen%20sind%20im%20Job%20unterfordert_56_128062.html?chorid=00571845&newsletter=news%2FPortal-Newsletter%2FProFirma%2F139%2F00571845%2F2012-07-25%2FTop-News%3A%20Viele%20Menschen%20sind%20im%20Job%20unterfordert&ecmId=7157&ecmUid=2994253

Advertisements
h1

Betriebliches Gesundheitsmanagement, DIN SPEC 91020

13. Juli 2012

Neuer BGM-Standard DIN SPEC 91020 erschienen

Immer mehr Unternehmen investieren aktiv in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter und schaffen die nötigen Strukturen. Einheitliche Standards für ein Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) gab es bisher nicht. Das ändert sich nun mit der neuen DIN SPEC 91020 „Betriebliches Gesundheitsmanagement“.

Mit der DIN SPEC 91020 „Betriebliches Gesundheitsmanagement“, die von der B·A·D Gesundheitsvorsorge und Sicherheitstechnik GmbH und dem DIN Deutsches Institut für Normung e. V. in Berlin vorgestellt wurde, gibt es nun erstmalig einen allgemein akzeptierten Standard für diesen Bereich. Die Spezifikation legt Anforderungen an ein BGM-System fest und gibt Organisationen jeglicher Art, Branche und Größe damit Hilfestellung bei Aufbau und Einführung eines solchen BGM-Systems. Zudem kann sie als Grundlage für eine akkreditierte Zertifizierung herangezogen werden.

Spezifikation legt Anforderungen an das BGM-System fest

Neben dem Umfeld der Organisation spielt vor allem das Führungsverhalten innerhalb des Unternehmens eine entscheidende Rolle. Nur wenn das Thema Gesundheit in die betrieblichen Führungs- und Kernprozesse verankert wird und die betriebliche Gesundheitspolitik Bestandteil der Unternehmenspolitik ist, ist ein BGM-System erfolgsversprechend, heißt es. Zudem ist auch ein systematisches, strategisches Vorgehen unabdingbar.

  • Hierfür sei eine entsprechende Planungs- beziehungsweise Analysephase, in der zum Beispiel Gesundheitschancen und -risiken ermittelt und konkrete Ziele benannt werden, notwendig.
  • In der Umsetzungs-Phase müsse das Unternehmen alle erforderlichen Ressourcen und Kompetenzen bereitstellen, aber auch eine geeignete interne Kommunikation sowie Dokumentation veranlassen und umsetzen.
  • Auch eine kontinuierliche Evaluation zur Optimierung des BGM-Systems darf nicht unterschätzt werden.

Vorteile einer BGM-Zertifizierung

Durch die Zertifizierung erfahren Unternehmen von einer unabhängigen Stelle, wo sie mit ihrem Angebot stehen und erhalten Impulse für Verbesserungen ihres BGM-Systems. Zugleich gehen die Unternehmen mit der Zertifizierung auch eine Selbstverpflichtung ein, die dazu motiviert, das System kontinuierlich zu verbessern.

Quelle: Haufe Online Redaktion, http://www.haufe.de/personal/hr-management/neuer-bgm-standard-din-spec-91020-erschienen_80_125458.html?chorid=00511427&newsletter=news/Portal-Newsletter/Personal/50/00511427/2012-07-10&ecmId=7007&ecmUid=2994253

h1

Digitale Demenz

12. Juli 2012

„Zeit, die wir vor einer Mattscheibe verdösen, ist keine Lernzeit

Im Gespräch mit Prof. Dr. Manfred Spitzer: Digitale Medien spielen heute in der Arbeitswelt eine große Rolle. Doch für Mitarbeiter sind sie nicht nur ein Segen, sondern auch ein Fluch, meint Prof. Dr. Manfred Spitzer vom Lehrstuhl für Psychiatrie an der Universität Ulm. Wir sprachen mit dem Keynote-Speaker (…)

Herr Prof. Spitzer, landläufig verbinden wir mit Demenz ein Leiden älterer Menschen, die sich Dinge nicht mehr so gut merken können. Was verstehen Sie darunter?

Der Ausdruck „Digitale Demenz“ stammt nicht von mir, sondern von koreanischen Ärzten. Sie verwenden den Begriff seit dem Jahr 2007, um ein Syndrom zu beschreiben, das sie bei Menschen im Alter ab Ende 20, Anfang 30 beobachtet haben: Störungen von Merkfähigkeit und Konzentration, Schwierigkeiten beim Lesen eines Textes, Abgeschlagenheit, Mattigkeit und Motivationslosigkeit. Die Betroffenen selber gaben an, dass sie sehr viel Zeit mit Computer und Internet verbringen, so dass die Ärzte einen kausalen Zusammenhang hergestellt haben.

Was passiert bei diesem Prozess im Gehirn?

Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von Studien die belegen, dass digitale Medien unser Gedächtnis beeinträchtigen. Wer Informationen googelt, speichert die Erkenntnisse mit geringerer Wahrscheinlichkeit im Gehirn ab. Wer über Inhalte chattet statt Face to Face miteinander zu sprechen, merkt sie sich nicht so gut. Im Internet wird zudem mehr gelogen und betrogen als in der realen Welt. All dies führt dazu, dass unser Gehirn nicht in der gleichen Weise präzise arbeitet, wie beim Umgang mit der realen Welt. Dies beeinträchtigt langfristig die Gehirn-Bildung, so dass Symptome einer Demenz verfrüht eintreten können.

Könnten Sie den Prozess der digitalen Demenz an einem konkreten Beispiel verdeutlichen?

Betrachten wir das ganz einfache Beispiel des Navigationssystems im Auto: Jeder wird schon die Erfahrung gemacht haben, dass er mit Navigationssystem selbst weniger auf seine eigene Orientierung achtet. Wir lagern gewissermaßen das Navigieren vom Gehirn in das „Navi“ im Auto aus. Man muss sich dann nicht wundern, dass die Fähigkeit zum Navigieren mittelfristig abnimmt. Zudem wissen wir, dass bei Londoner Taxifahrern das „Navigationszentrum im Kopf“ wächst, weil sie im Laufe ihrer drei- bis vierjährigen Ausbildung 25.000 Straßennamen sowie einige tausend zusätzlicher Orte und Plätze kennenlernen müssen. Das Ganze wird per Prüfung abgefragt. Wenn also die Größe des gehirneigenen Navigationszentrums bei häufigem Gebrauch zunimmt, ist wenig Phantasie nötig, um sich zu vergegenwärtigen was passiert, wenn wir dieses Stückchen Gehirn nicht mehr benutzen.

Hat digitale Demenz irgendetwas mit dem Alter zu tun?

Demenz ist geistiger Abstieg und wie bei jedem Abstieg hängt seine Länge davon ab, wie hoch die Ausgangshöhe war. Wer von dem Mount Everest absteigt, der befindet sich trotz Abstieg lange Zeit in großer Höhe. Wer von einer Sanddüne auf Meereshöhe absteigt, ist sehr rasch unten. Nicht anders ist es auch bei der Demenz: Wann die Symptome einer demenziellen Erkrankung auftreten, hängt nicht zuletzt davon ab, wie gut ausgebildet das Gehirn vorher war. Es liegen mittlerweile gut durch entsprechende Tests dokumentierte Fälle von Menschen vor, deren geistige Leistungsfähigkeit bis ins hohe Alter vollkommen erhalten blieb, obwohl in ihren Gehirnen nach dem Tod sehr auffällige Veränderungen wie bei Alzheimerscher Demenz nachzuweisen waren. Wir kennen auch Fälle von Menschen, bei denen mehr als das halbe Gehirn nicht mehr vorhanden ist und die dennoch klinisch völlig unauffällig sind. Insofern haben die degenerativen Veränderungen, die bei Demenz häufig vorliegen, ganz selbstverständlich etwas mit dem Alter zu tun. Wieweit sich das jedoch auf die geistige Leistungsfähigkeit auswirkt, hängt davon ab, wie leistungsfähig und geistig trainiert das Gehirn vorher war.

Ein Gegenargument für die Theorie der digitalen Demenz könnte lauten: Im Umgang mit digitalen Medien werden eben andere Fähigkeiten stärker geschult, so dass wir zum Beispiel eine größere Sensibilität für visuelle Reize entwickeln. Im offenen Austausch über Social Media wie Facebook können auch kreative neue Impulse bis hin zu Revolutionspotenzialen wie zum Beispiel in Nordafrika entstehen. Gibt es auch Ihrer Meinung nach solche Vorteile der digitalen Medien?

Positive Effekte des Gebrauchs digitaler Medien werden immer wieder behauptet, die Datenlage hierzu ist jedoch mehr als spärlich. Insbesondere ist bislang nicht bewiesen, dass das Training am Computer mittels irgendeiner Software auf andere Lebensbereiche übertragbar ist. Inwiefern die neuen Medien zu Veränderungen im Bereich der Politik führen, die sich positiv auf die Gesellschaft auswirken, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen. Die Revolutionen in Nordafrika werden zwar immer wieder als positives Beispiel genannt, doch wir dürfen nicht übersehen, dass manche Länder die neuen Medien auch verwenden, um die Bevölkerung zu unterdrücken und Daten über unliebsame Bürger zu sammeln.

Wie häufig tritt das Phänomen digitale Demenz heute schon auf und wird es aus Ihrer Sicht weiter zunehmen? Nach dem Bericht der Suchtbeauftragten der Bundesregierung vom 22. Mai 2012 gibt es in Deutschland 500.000 internet- und computersüchtige Menschen sowie weitere 500.000, die gefährdet sind. Es ist davon auszugehen, dass diese Personen ihr volles geistiges Potenzial, das sie ohne Medien hätten erreichen können, nicht erreichen und deswegen verfrüht demenzielle Symptome aufweisen werden – verfrüht im Vergleich dazu, welche geistige Leistung sie jeweils mit besserer Bildung hätten erreichen können. Computer- und Internet-Sucht werden in diesem Bericht erstmals erwähnt. Deshalb liegt es nahe, dass das Problem der digitalen Demenz in den nächsten Jahrzehnten deutlich zunehmen wird.

Was bedeutet die digitale Demenz für Unternehmen und die Arbeitswelt insgesamt?

Es existieren bereits Schätzungen, wonach die tägliche Überlastung und die Versuche des Multitasking, die letztlich nur dazu führen, dass man ineffektiver arbeitet, der Wirtschaft massiv schaden. Amerikanische Wirtschaftswissenschaftler haben diesen Schaden auf 650 Milliarden Dollar jährlich beziffert.

Ohne Internet & Co. würde heute wohl kaum ein Unternehmen funktionieren. Wie könnten Personalverantwortliche Arbeitsumgebungen verändern, um digitaler Demenz vorzubeugen?

Ich halte es für sehr wichtig, dass wir uns einen anderen Umgang mit den Medien angewöhnen: Nicht jede E-Mail muss innerhalb von drei Minuten beantwortet werden. Zeit, die Beschäftigte „offline“ zum Nachdenken und zur konzentrierten Arbeit haben, ist wertvoll und jede Unterbrechung schädlich.

Inwiefern macht E-Learning für die Weiterbildung der Mitarbeiter aus Ihrer Sicht Sinn?

Vertreter des E-Learning haben mittlerweile selbst zugegeben, dass diese Art des Lernens gar nicht funktioniert: Sie sprechen heute von „Blended Learning“, womit gemeint ist, dass der Lehrer dem Lernprozess wieder „beigemischt“ werden muss – Englisch heißt to blend ja mischen. Ich finde diesen Sprachgebrauch sehr eigenartig und Lehrern gegenüber herabwürdigend. Man „mischt sie bei“. Letztlich zeigt dies, wie „entpersonalisiert“ die hierfür Verantwortlichen mittlerweile schon denken. Machen wir uns klar: Lernen funktioniert vor allem dann, wenn eine gute Beziehung zwischen Lernendem und Lehrendem vorhanden ist, ein Vertrauensverhältnis und eine gegenseitige Wertschätzung. Wenn dann der Lehrende noch im Lernenden ein Feuer entfacht und Begeisterung weckt, dann lernt er sehr viel. Zeit, die wir vor einer Mattscheibe verdösen, ist keine Lernzeit.“

Interview: Stefanie Hornung in: http://www.hrm.de/fachartikel/zeit-die-wir-vor-einer-mattscheibe-verd%C3%B6sen-ist-keine-lernzeit