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Daimler AG

5. Februar 2009

FOCUS-Online, Christiane Schulzki-Haddouti

„Die Altersstruktur in Deutschland wird für viele Firmen zum Problem. Immer mehr hoch qualifizierte Mitarbeiter gehen in Rente und nehmen ihr Wissen mit. Die Daimler AG versucht nun gegenzusteuern – mit einem neu entwickelten Lernsystem.“

Das Produktions-Lern-System (PLS) hat  Theo Hülshoff, Leiter des Studiengangs Betriebspädagogik und der Akademie Führungspädagogik an der Universität Koblenz-Landau, gemeinsam mit der Daimler AG und der IG Metall entwickelt. Seither “ ist die Weiterbildung bei dem Automobilkonzern kein eigener Unternehmensbereich mehr, sondern direkter Partner der Produktion. „Kein Produktionsprozess und Produkt wird mehr geplant, ohne dass die Bildungsexperten dabei sind“ (…)

Hintergrund:

„Das Werk Mannheim der DaimlerChrysler AG stand vor einem gewaltigen personellen Umbruch: Rund 1300 Mitarbeitern aus Produktion und Verwaltung sollten binnen drei bis fünf Jahren das Werk altersbedingt verlassen. Damit drohte nicht nur ein enormer Verlust von Erfahrungswissen, sondern es entstand angesichts zahlreicher Neubesetzungen auch ein hoher Qualifizierungsbedarf.

Gesucht war deshalb  ein Lernsystem, das „das intellektuelle Kapital der Mitarbeiter systematisch aktivieren, wertschöpfend nutzen, erhalten und vermehren“ sollte. Mit dem PLS entwickelte es tatsächlich eine Anwendung, die nicht nur Wissensmanagement ermöglicht, sondern auch als allgemein akzeptiertes Lern- und Qualifizierungssystem fungiert.

Theo Hülshoff, der das PLS in einem Entwicklungsbüro direkt in der Produktionshalle aufgebaut hat, stellte zunächst Fragen: „Wer soll was tun? Wer soll was können, um das tun zu können?“ Und bildete dann entsprechend den Antworten der Mitarbeiter jeden Arbeitsprozess innerhalb eines Produktionsbereichs im System ab. Die Akzeptanz bei den Mitarbeitern war wider Erwarten sehr gut. Hülshoff erinnert sich: „Es war beeindruckend, wie ein 50-jähriger Experte, der hoch qualitative Dieselmotoren herstellt, sagte: ´Sie sind der Erste, der sich für meine berufliche Erfahrung interessiert‘.'“ Aber auch der Erfolg ist für das Unternehmen messbar. So wurde nach der Einführung eine merkliche Verbesserung in der Motorenproduktion festgestellt. Damit lassen sich Produktionskosten einsparen.
Mit dem System können die Mitarbeiter direkt die relevanten Tätigkeiten und erforderlichen Kompetenzen finden und abrufen. Es informiert hierbei nicht nur über trockene Texte, sondern auch über Fotos und Videos, denn manches Erfahrungswissen lässt sich am einfachsten vermitteln, wenn es einfach gezeigt wird. Ergänzt wird das Ganze mit Hintergrundinformationen zu Bauteilen, Werkzeugen, Maschinen oder anderen Fachbegriffen. Außerdem enthält das System in einem Lexikonbereich standardisierte Dokumente wie etwa Montageinformationen.“

„Mit dem neuen Lernsystem hingegen stehen dieselben Inhalte jedem zur Verfügung. Auf das neue System kann jeder Mitarbeiter zugreifen. Die Zeit der Bedienungsanleitungen ist damit im Werk Mannheim vorbei“

Wie geht es?

„Der Facharbeiter gibt seine Antworten ein und kann sie dann mit den Antworten vergleichen, die die anderen gegeben haben. Anschließend probiert er die aus seiner Sicht beste Lösung aus.  Auf diese Weise können sich neue Lösungen ergeben, die möglicherweise von der PLS-Redaktion wiederum als die beste Antwort gekennzeichnet wird. So wird das PLS zu einem Lernsystem, das die Mitarbeiter selbst entwickeln“, weil das System „ständig über das Feedback der Mitarbeiter weiterentwickelt,“  wird.

Die Erfahrungen mit dem System im Werk Mannheim wurden inzwischen auch in der Türkei genutzt. Dazu wurden alle Grundstandards für die Qualifizierung systematisch erfasst und ins Türkische übersetzt. So konnten sich Mitarbeiter aus der Türkei in Mannheim über das PLS für die Fertigung qualifizieren. Zunächst wurden ihnen die Inhalte theoretisch erklärt, danach erfolgten Unterweisungen am jeweiligen Arbeitsplatz. Bei ihrer Rückkehr konnten sie ihr Wissen an ihre Kollegen weitergeben. Nun steht die Einführung des PLS auch in den Werken in Brasilien, USA und Japan an.

Die IG Metall entwickelt jetzt aufbauend auf den Erfahrungen mit dem PLS gemeinsam mit einem international tätigen Unternehmen ein intranet-basiertes Lernsystem für die Instandhaltung im Maschinenbau, das direkt in die Arbeitsprozesse integriert werden soll. Michael Ehrke vom IG Metall Bundesvorstand erklärt: „Hier wird insbesondere die Verfügbarkeit von Fehlerdokumentationen eine große Rolle spielen“. So könnte etwa in einem Unternehmen mit mehreren Standorten die Fehlerdokumentation einer Niederlassung auch für eine andere Niederlassung interessant sein.

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