Ein Video
http://ec.europa.eu/avservices/video/videoplayer.cfm?ref=I071478
Quelle: EMPL-SOCIAL-NEWSLETTER@ec.europa.eu

Ein Video
http://ec.europa.eu/avservices/video/videoplayer.cfm?ref=I071478
Quelle: EMPL-SOCIAL-NEWSLETTER@ec.europa.eu

“Sieht Deutschland bald alt aus?“
GEOMAX-Ausgabe 16 (Sommer 2010); Autor: Dieter Lohmann
© 2010 MAX-PLANCK-GESELLSCHAFT
Voraussagen über vermeintliche Obergrenzen der Lebenserwartung haben sich immer wieder als falsch erwiesen. (…) Das Altersmaximum wird sich weiter nach oben verschieben. Ein “biologisches Höchstalter” gibt es nicht. Nach James W. Vaupel, dem Direktor am Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock, steigt die Lebenserwartung in Deutschland, Schweden, Australien, den USA und anderen entwickelten Ländern seit 1840 “nahezu konstant um drei Monate pro Jahr”.
“Das Durchschnittsalter in Deutschland nimmt aber nicht nur zu, weil die Lebenserwartung der Menschen steigt. Eine weitere (…) Ursache – sind niedrige Geburtenraten. Um die Elterngeneration [Babyboomer] vollständig zu ersetzen, müsste jede Frau hierzulande durchschnittlich 2,1 Kinder zur Welt bringen. Doch der tatsächliche Wert liegt deutlich darunter.” (…)
(…) “Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes von 2009 wird die Zahl der Einwohner in Deutschland voraussichtlich von heute 82 Millionen Einwohnern auf 65 bis 70 Millionen im Jahr 2060 sinken. Und damit verschiebt sich auch die Altersstruktur ” – Dazu trägt demnach auch bei: ein “leistungsfähiges Gesundheitssystem”, das sich ” in Lebensjahren auszahlt”. Das gelte auch “für die Über-80-Jährigen.” Bei deren “Sterbewahrscheinlichkeit spielten (…) auch Einkommen und materieller Wohlstand eine wichtige Rolle. ” (…)
“Und dann gibt es da noch das “Methusalem”-Phänomen (…) Die Kurve der Mortalität wird etwa ab dem 85. Lebensjahr wieder flacher, so dass das Risiko zu sterben nicht mehr so rasant mit dem Lebensalter ansteigt wie vorher. (…) Angesichts all dieser neuen Erkenntnisse sind viele Demografen keineswegs sicher, dass es in Zukunft aufgrund der steigenden Lebenserwartung tatsächlich zu einem Kollaps des Gesundheitssystems und bei der Pflege kommt.”
“(…) Thema Arbeit. Bisher galt: als Kind und Jugendlicher lernt man, danach kommt die Arbeit und mit 65 geht man in den Ruhestand. Doch die Realität sieht anders aus: Die 55- bis 65-Jährigen haben heute schon mehr Zeit zur Verfügung als vielen von ihnen lieb ist – gerade mal ein gutes Drittel der Menschen in diesem Alter ist heute noch erwerbstätig. Damit liegt Deutschland im Ländervergleich der OECD abgeschlagen auf einem der hinteren Plätze. Schuld daran ist der hiesige Trend, ältere Arbeitnehmer verstärkt in Altersteilzeit oder Frührente zu schicken, um Platz für die nachrückende Generation zu machen. Dabei setzen viele Personalchefs zu einseitig auf “jung und dynamisch” statt auf Erfahrung und soziale Kompetenz.
Doch das könnte sich bald schon rächen. Und zwar nicht erst, wenn die „Babyboomer“ endgültig in Rente gehen, sondern spätestens 2025. Dann ist ein Großteil von ihnen bereits 60. Sofern sie zu diesem Zeitpunkt noch genauso wenig am Erwerbsleben beteiligt sind wie jetzt, würde somit in Deutschland etwa neun Prozent weniger gearbeitet als heute. Das geht aus dem so genannten Rostocker Index hervor, den James W. Vaupel und Elke Loichinger vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung entwickelt haben. Weniger geleistete Arbeit pro Einwohner bedeutet aber nicht nur Einkommensverluste für den Einzelnen und den Staat. Sie schränkt auch die Verteilungsspielräume ein und brächte gravierende Nachteile für die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands mit sich.
Um diese Situation abzuwenden, ist radikales Umdenken nötig: „Das 20. Jahrhundert war eines der Umverteilung von Vermögen, im 21. Jahrhundert wird es um die Umverteilung von Arbeit gehen“, sagt Vaupel. Ein Zahlenspiel macht deutlich, worum es geht: Heute leistet ein 45-Jähriger durchschnittlich 30 Arbeitsstunden pro Woche, ein 60-Jähriger aber nur acht (Arbeitslose und andere Nichterwerbstätige eingerechnet). Wenn die 50- bis 60-Jährigen in Zukunft genauso viel arbeiten wie die 35- bis 49-Jährigen und sich die Arbeitszeit der 60- bis 64-Jährigen auf 20 Stunden erhöht, würde die Zahl der insgesamt geleisteten Stunden bis 2025 stabil bleiben. Darüber hinaus – so Modellrechnungen der Max-Planck-Forscher – böten sich dann auch Möglichkeiten, die insgesamt geleistete Arbeitszeit über die Altersgruppen hinweg gleichmäßiger zu verteilen: Würde bis zum Alter von 65 auf gleichbleibend hohem Niveau gearbeitet und zudem die Generation „65 plus“ wenigstens zum Teil ins Erwerbsleben eingebunden, könnten die 20- bis 40-Jährigen künftig deutlich kürzer treten. Berufs- und Familienphase (“rush hour of life“) könnten entzerrt werden – es gäbe dann mehr Zeit, sich um die Familienplanung bzw. den Nachwuchs zu kümmern. Dass eine derartige Umverteilung von Arbeit möglich ist, zeigt das Beispiel Schweden. Dort sind mehr als zwei Drittel der Über-50-Jährigen fest im Berufsleben verankert und Auszeiten für die Familie bei den 20- bis 40-Jährigen gleichzeitig wohl etabliert.
Um auch bei uns für skandinavische Verhältnisse zu sorgen, sind jedoch „intelligente Konzepte“ gefragt – um Lebensbereiche im Lebenslauf neu zu verknüpfen, Arbeitszeiten in den Betrieben mit den zeitlichen Bedürfnissen von Familien zu harmonisieren und das klassische Modell des altersdifferenzierten Lebenslaufs durch altersintegrierte Modelle zu ersetzen. Das Rentenalter darf nicht von vornherein als Lebensphase ohne gesellschaftliche Teilhabe sowie als reine Freizeit außerhalb der Gesellschaft organisiert werden. Wenn ältere Menschen mehr und länger arbeiten sollen, ist es jedoch erforderlich, dass sie ihr Know-how immer wieder auffrischen – gerade in Zeiten eines rapiden technischen und gesellschaftlichen Wandels. Doch bei der Weiterbildung über den gesamten Berufsverlauf liegt in Deutschland einiges im Argen: Hier haben die Betriebe und ihre Mitarbeiter im internationalen Vergleich längst den Anschluss verloren und rangieren am unteren Ende der Tabelle. Die häufig gestellte Frage: Warum teure Maßnahmen bezahlen, wenn der Arbeitnehmer sowieso mit 55 in Rente geht? Auf solche Probleme hinzuweisen, mit handfesten Daten Überzeugungsarbeit zu leisten und Politikern oder Wirtschaftsexperten mögliche Lösungen anzubieten, sind die Triebfedern der Rostocker Demografen. „Demografische Prognosen sind insbesondere deswegen unabdingbar, da entsprechende Reformen künftigen demografischen Veränderungen vorauseilen müssen, um zu gegebener Zeit ihre Wirkungen entfalten zu können“, erklärt Vaupel.
(…)

http://www.bosch-stiftung.de/content/language1/html/28792.asp
Mit Förderung der Robert Bosch Stiftung haben das Institut für Gerontologie der Universität Heidelberg und das Institut der deutschen Wirtschaft eine praxisorientierte Untersuchung zur Lern- und Veränderungsfähigkeit älterer Mitarbeiter durchgeführt. Diese Untersuchung fand an zwei Standorten der Robert Bosch GmbH statt. Wissenschaftlich fundierte Aussagen über die Lern- und Veränderungsfähigkeit älterer Mitarbeiter gewinnen (…) Aktualität.
Wird durch Bildung tatsächlich ein Beitrag zur Erhaltung der beruflichen Leistungsfähigkeit und Leistungsmotivation geleistet? Diese wichtige Frage, die den Ausgangspunkt der Untersuchung bildete, lässt sich auf der Basis der Untersuchungsbefunde eindeutig mit “ja” beantworten.
Es wurde ein Bildungskonzept entwickelt und umgesetzt, das sich aus folgenden drei Komponenten zusammensetzt:
(…)Innovativ ist, dass die drei Bildungskomponente integriert angeboten werden. Die Ergebnisse zeigen, dass nicht nur die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit, sondern auch das persönliche Wohlbefinden und das Altersbild der Mitarbeiter gefördert werden.
(…) wie wichtig es ist, dass sich Unternehmen und Betriebe vermehrt in der Bildung älterer Mitarbeiter engagieren. Sie geben mit entsprechenden Angeboten zu erkennen, dass sie ältere Mitarbeiter genauso wie jüngere als Ressource und Potential ansehen und ansprechen.Es lohnt sich! Gleichzeitig wird etwas für die Prävention körperlicher und psychischer Erkrankungen getan.
(…)
Die Ergebnisse des Projekts:
Die Potentiale des Projekts:

Demographische Veränderungen ergeben sich aus drei Komponenten: der Geburtenrate, der Lebenserwartung und der Migration, sprich: der Ein- oder Auswanderung.
Die Kinderzahl in Deutschland gehört weltweit zu den niedrigsten, bestätigt das Statistische Bundesamt in jährlicher Regelmäßigkeit. Die Geburtenhäufigkeit beträgt rund 1,4 Kinder je Frau. Das Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock ermittelte 2008 in einer umfangreichen Analyse von Geburtenverhalten und Familienpolitik für alle Länder Europas zu niedrige Geburtenraten. “Kein einziges Land erreicht das Ersatzniveau von durchschnittlich 2,1, das notwendig wäre, damit die Kindergeneration die Elterngeneration zahlenmäßig ersetzt”, lautet das Fazit der Wissenschaftler. So wird hierzulande die Elterngeneration der heute 30jährigen durch deren Nachkommen nur noch zu etwa zwei Dritteln ersetzt. Da seit 1972 in Deutschland jedes Jahr mehr Menschen sterben als Kinder geboren werden, “dünnt” der Bestand an Eltern de facto immer weiter aus. Diese Entwicklung lässt sich nicht ohne weiteres umkehren, denn Kinder, die heute nicht geboren werden, können morgen auch nicht Eltern werden. Es entsteht ein Schneeballeffekt, dessen Folgen sich schon heute beziffern lassen: Die deutsche Bevölkerung schrumpft seit 2003 und wird, wenn man nur die Geburtenrate berücksichtigt, weiter von derzeit 82 Millionen (Stand November 2009) auf 59 Millionen bis zur Jahrhundertmitte schrumpfen.
Dass die Fachleute vom Statistischen Bundesamt dennoch für das Jahr 2060 mit einer deutschen Bevölkerung von 65 bis 70 Millionen rechnen, liegt an der zweiten demographischen Komponente: der prognostizierten Zuwanderung.
Faktor Nummer drei ist die – dank dem verbesserten Gesundheitsbewußtsein und den medizinischen Fortschritten – ständig steigende Lebenserwartung. Ein Kind, das heute in Deutschland geboren wird, hat eine um etwa 30 Jahre höhere Lebenserwartung als noch vor 100 Jahren. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Männer ist seit 1950 um rund 13 auf 77,2 Jahre gestiegen. Die Lebenserwartung der Frauen ist sogar um rund 14 auf 82,4 Jahre geklettert. Für 65-jährige Männer wird für 2060 daher noch eine weitere Lebenserwartung von 22,3 und damit insgesamt von 87,3 Jahren angenommen. Für 65-jährige Frauen werden 25,5 weitere Jahre erwartet, das ergibt insgesamt 90,5 Jahre.
http://www.inqa.de/Inqa/Navigation/Themen/Demographischer-Wandel/wissen,did=206090.html

Handwerksbetriebe haben ähnliche Problemlagen wie Industrie und Großbetriebe, aber weniger Ressourcen, wenn es um den gesellschaftlichen Prozess des demografischen Wandels geht. Eine langfristige Personalpolitik und alternsgerechte Arbeitsgestaltung sind bisher eher die Ausnahme als die Regel.
Lösungsansätze
(…)
ein Demografie-Projekt im Handwerk sollte aufgrund der kleinräumigen Struktur von Angebot und Nachfrage insbesondere regionale Bezüge nutzen und stärken.
http://www.inqa.de/Inqa/Navigation/Themen/demographischer-wandel,did=252034.html

DIE WICHTIGSTEN ERGEBNISSE
http://www.dihk.de/inhalt/download/ausbildungsumfrage_10.pdf

Alter und Älterwerden - aus der Sicht von Journalisten und der Bevölkerung
Eine vergleichende Untersuchung des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Robert Bosch Stiftung.
Mit der zunehmenden Alterung der Gesellschaft verändern sich auch die Einstellungen zum Alter und zum Älterwerden. Das Selbstbewusstsein der Älteren hat deutlich zugenommen, und anders als oft vermutet fühlt sich nur eine Minderheit der älteren Menschen von der Gesellschaft ausgegrenzt. Die Medien haben nach Auffassung der meisten Journalisten die Aufgabe, sich für eine Änderung des überkommenen Altersbildes einzusetzen. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Robert Bosch Stiftung.
Alter und Demografie ist eines der Schwerpunkt-Themen der Stiftung, die zahlreiche Projekte in diesem Bereich fördert. Journalisten kommt bei der Vermittlung des gesellschaftlichen Bildes vom Alter eine Schlüsselrolle zu. Die Robert Bosch Stiftung hat deshalb die Studie in Auftrag gegeben, um herauszufinden, welche Vorstellungen Journalisten vom Alter und vom Älterwerden haben und inwiefern diese Einschätzungen mit den Ansichten der Bevölkerung übereinstimmen. Befragt wurden 232 Journalisten, vor allem von Tages- und Wochenzeitungen, und parallel dazu ein repräsentativer Bevölkerungsquerschnitt von 1773 Personen.
Angesichts der immer sichtbarer werdenden Alterung der Gesellschaft verändern sich die Einstellungen zum Alter und Älterwerden. Mit wachsender Lebenserwartung, körperlicher und geistiger Fitness oft noch bis ins hohe Alter verschiebt sich die wahrgenommene Altersschwelle, ab wann jemand als alt gilt, immer mehr nach oben. Alter und Alterungsprozesse werden heute altersspezifischer und stärker individualisiert erlebt, abhängig vom jeweiligen Gesundheitszustand, von körperlicher und geistiger Aktivität, aber auch in Abhängigkeit von den jeweils zur Verfügung stehenden finanziellen Ressourcen. Die größere Fitness der »jungen Alten«, aber auch noch der 70- bis 79-Jährigen im Vergleich zu Altersgleichen vor einem Vierteljahrhundert belegt die Studie: 1984 bezeichneten nur 37 Prozent der 60- bis 69-Jährigen ihren Gesundheitszustand als »sehr gut« oder »gut«, 2008 sagten dies 54 Prozent.
Die vorherrschende Alterswahrnehmung verkennt nicht die neuen Lebenschancen in den hinzugewonnenen Lebensjahren, sieht diese aber bedroht durch Unsicherheit über die künftige finanzielle Absicherung des gewohnten Lebensstandards sowie Furcht vor körperlichen und geistigen Gebrechen bis hin zum Verlust der Selbstständigkeit und Pflegebedürftigkeit im hohen Alter.
Nur Minderheit hat Angst vor dem Alter. Wirklich Angst vor dem Alter hat nur eine Minderheit der Bevölkerung (19 Prozent), aber viele ab 70-Jährige, insbesondere ab 80-Jährige, sind nicht frei von Beklemmungen, wie es sein wird oder zumindest sein könnte, wenn sie bei wachsender Lebenserwartung immer älter werden.
Die spontanen Assoziationen der Bevölkerung zum Alter beziehen sich überwiegend auf die späte Altersphase, die von geistigem Nachlassen und körperlichen Gebrechen geprägt sein kann, weit weniger auf die frühe Altersphase der oft noch sehr fitten und ihr Leben genießenden aktiven »jungen Alten« zwischen 60 und 69 Jahren. Auch wenn sie Alter persönlich viel positiver erleben, denken viele, dass die meisten Menschen bei uns Alter vor allem als mit Beschwerden und Mühen verbunden sehen, weniger als Lebensabschnitt, der viele neue Chancen bietet.
Viele Journalisten teilen die Vermutung, dass in der Bevölkerung tradierte negative Klischeevorstellungen vom Alter überwiegen, obwohl ihre eigenen Beobachtungen in der Regel ganz anders, sehr viel positiver sind. 60 Prozent der Journalisten glauben, dass die meisten in der Bevölkerung Alter als vor allem mit Beschwerden und Mühen verbunden wahrnehmen 3, aber persönlich urteilen sie zu 63 Prozent, dass die Vorstellung, Alter sei vor allem eine Last, weil körperliche Gebrechen zunehmen, nicht zutrifft. Aus ihrer Sicht bietet Alter vor allem neue »Chancen, weil man dann mehr Zeit für Dinge hat, die einem wichtig sind« (»Trifft zu«: 83 Prozent).
Fast jeder zweite Journalist stimmt der Aussage zu »Viele ältere Menschen bei uns werden von der Gesellschaft ausgegrenzt« (47 Prozent). Im Selbstbild der Älteren ist davon allerdings wenig zu spüren, insbesondere nicht bei den heute 60- bis 69-Jährigen. In dieser Altersgruppe sagen 65 Prozent ausdrücklich, sie würden das Gefühl, als Ältere nicht mehr dazuzugehören, nicht kennen, auch keinen gesellschaftlichen Druck empfinden, dass alte Menschen bei uns keine Bedeutung mehr haben sollen. Und auch von den 70-Jährigen oder Älteren hat die Mehrheit diesen Eindruck nicht. Im langfristigen Trend ist das Selbstbewusstsein der Älteren in unserer Gesellschaft nicht erodiert, vielmehr deutlich gewachsen. Dass alte Menschen das Gefühl beschleicht, ausgegrenzt zu werden, keine Bedeutung mehr zu haben, vermuteten 1989 40 Prozent, jetzt noch 26 Prozent der Bevölkerung.
Journalisten halten Änderung des dominanten Altersbildes für notwendig. Völlig unbegründet ist Frank Schirrmachers These von einer Diskriminierung der Alten in unserer Gesellschaft nicht, aber ganz offensichtlich journalistisch wirkungsvoll überzeichnet. Auch so bleibt Schirrmachers Folgerung, das Selbstvertrauen der Älteren zu stärken, sehr wichtig, und man gewinnt aus den Befragungen den Eindruck, dass sich die meisten Journalisten dieser Aufgabe gerne verschreiben. 83 Prozent der befragten Journalisten halten eine Änderung des bisher dominanten Altersbildes für notwendig, und sie schreiben den Medien bei der Vermittlung dieses neuen Altersbildes eine sehr wichtige Rolle zu.
Aus ihrer Sicht sollte das neue Altersbild differenzierter sein, die ganze Bandbreite von Lebenssituationen älterer Menschen umfassen, nicht nur die Welt der körperlich und geistig Fitten aus der Werbung, aber auch nicht nur der in Heimen dahinsiechenden Greise. Vor allem wird gefordert, das Leben im Alter chancenorientierter darzustellen, die Potentiale der Älteren stärker zu betonen und Wege aufzuzeigen für ein aktiveres, sinnerfüllteres Leben im Alter. Viele Journalisten denken dabei weniger an hedonistischen persönlichen Lebensgenuss, vielmehr auch an Engagement für andere. In Äußerungen wie »Aktive, integrierte Alte, nicht nur Privatisierende« oder »Nicht mehr Nix-Tun, sondern Aktivität und Chancen im Alter« kommt dies klar zum Ausdruck. Die befragten Journalisten erwarten mehrheitlich, dass die Bereitschaft der Älteren, länger zu arbeiten, in den nächsten fünf bis zehn Jahren zunehmen wird (64 Prozent). Viele sind überzeugt, dass sich immer mehr ältere Menschen für andere einsetzen, sich ehrenamtlich betätigen werden (73 Prozent), und fast alle erwarten, dass die Menschen in Zukunft offener mit Krankheiten wie Demenz oder Alzheimer umgehen (87 Prozent).
Die positiven persönlichen Einstellungen der Journalisten zu diesen drei Kernzielen des Programms »Gesundheit und Humanitäre Hilfe« der Robert Bosch Stiftung und ihre Überzeugung, dass sie als Journalisten hilfreich sein können bei der Vermittlung des neuen Altersbildes, lassen darauf schließen, dass das Programm der Robert Bosch Stiftung breite Zustimmung und Unterstützung bei Journalisten findet.
http://www.bosch-stiftung.de/content/language1/html/24772.asp

Better integration of Silver Workers in working life is much more than a question of old-age provision. It involves substantial issues concerning companies’ competitiveness, stability of national budgets and societal exposure to a dramatically changing age structure of the population. Ultimately, our research addresses the long-term basics of growth and welfare in the future world economy.”
Patrick M. Liedtke, Chairman of the Silver Workers Institute and Secretary General of The Geneva Association

Allen Bekundungen zum Trotz ist die notwendige Zäsur – weg vom Jugendkult, hin zu gleichberechtigten Altersgruppen – in den Köpfen noch nicht angekommen. Mehr als die Hälfte der deutschen Betriebe, so das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung IAB, beschäftigt keine Mitarbeiter über 50. Beispiel: Ingenieure. Zwar werden technisch beschlagene Akademiker händeringend gesucht. Doch nur ein Bruchteil der Unternehmen ist auch bereit, ältere Ingenieure einzustellen, so eine Umfrage des Verbands Deutscher Ingenieure (VDI).
in: http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/:Jugendwahn-bei-Ingenieuren-So-bleiben-Mitarbeiter-fit-und-motiviert/429478.html?p=1

Nach den DIW-Berechnungen gewinnt der demografische Effekt erst nach 2025 die Oberhand. Bis 2050 dürfte die Zahl der Erwerbspersonen von rund 43 Millionen auf knapp 34 Millionen zurückgehen. Die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter wird in Deutschland bereits von 2012 an merklich zurückgehen. Die schrittweise Erhöhung des regulären Rentenalters auf 67 Jahre, das Auslaufen der Altersteilzeit und die restriktive Handhabung der Erwerbsminderungsrenten werden aber dazu führen, dass Ältere länger im Arbeitsleben bleiben. Hinzukommt der anhaltende Trend zunehmender Erwerbsbeteiligung der Frauen, insbesondere in Westdeutschland. Insgesamt werden Frauen im erwerbsfähigen Alter im Jahr 2025 zu knapp 80 Prozent erwerbstätig sein. Der Unterschied in den Erwerbsquoten zwischen Männern und Frauen wird sich deutlich verringern.
Je nach Zuwanderungsrate ist im Zeitraum zwischen 2016 und 2018 der Gipfel mit einem Arbeitskräfteangebot von gut 43 Millionen Personen erreicht. Anschließend geht die Erwerbspersonenzahl deutlich zurück. Mit dem Ausscheiden der “Baby-Boomer” aus dem Arbeitsmarkt beschleunigt sich dieser Rückgang drastisch. Auch eine relativ hohe langfristige Nettozuwanderung von 200 000 Personen jährlich könnte diesen Verlust nur abmildern: In diesem Fall stünden im Jahr 2050 dem Arbeitsmarkt gut 37 Millionen Arbeitskräfte zur Verfügung.
Pressemitteilung vom 01.10.2008
DIW Berlin